Healthcare IT


Apps gegen Krankenstand

Digitale Helfer gegen Stress

28. Mai 2015
Von Andreas Schulte
Hat die Stimme einen nervösen Unterton? Ist der Puls unregelmäßig, der Schlaf unruhig? Digitale Helfer, wie Apps oder Software, analysieren Verhalten und Körperfunktionen von Mitarbeitern, um Stress früh zu erkennen.

Mitarbeiter der Glasmanufaktur Saint-Gobain-Sekurit in Herzogenrath bei Aachen sind gehalten, so zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ihr Arbeitgeber fordert sie auf, ein etwa zehnminütiges Gespräch mit einem Sprachcomputer zu führen. Die Mitarbeiter beantworten in automatisierten und anonymen Interviews alltägliche Fragen, um so eine möglichst authentische Sprachprobe zu liefern. Aufbau und Art der Antworten dienen der Software Precire als Grundlage für eine wissenschaftlich fundierte Aussage darüber, wie gestresst der Mitarbeiter gerade ist.

Spezielle Apps können erkennen, ob ein Mitarbeiter gestresst ist.
Spezielle Apps können erkennen, ob ein Mitarbeiter gestresst ist.
Foto: anyaberkut - Fotolia.com

"Noch sprechen wir von einer Momentaufnahme", sagt Sabine Winterstein, bei der Krankenkasse DAK-GesundheitDAK-Gesundheit verantwortlich für betriebliches Gesundheitsmanagement. Zusammen mit Saint-Gobain-Sekurit testet die Kasse den Einsatz der sprachpsychologischen Anwendung zur Stresserkennung. Knapp hundert Mitarbeiter haben bereits mitgemacht. Das Ziel: StressStress früher erkennen, um Beschäftigte vor folgenschweren Langzeitbelastungen zu bewahren. Die Technik sei bereits ausgereift, sagt Winterstein. Top-500-Firmenprofil für DAK-Gesundheit Ersatzkasse Alles zu Stress auf CIO.de

Ob wegen Stress, drohendem BurnoutBurnout oder Depression: Zunehmend versuchen Unternehmen, stressbedingten Arbeitsausfall der eigenen Mitarbeiter zu vermeiden. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gehen der deutschen Volkswirtschaft infolge psychischer Erkrankungen pro Jahr mehr als zehn Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung verloren. Die Zahl der Ausfalltage aufgrund psychischer Erkrankungen stieg von 33,6 Millionen im Jahr 2001 auf aktuell rund 61,5 Millionen. Alles zu Burnout auf CIO.de

Der Markt reagiert mit ersten digitalen Helfern, die Stresssymptome erkennen und Verhaltenstipps geben. Ob sie sich in Unternehmen bewähren werden, ist noch offen: "Die wenigen Anwendungen sind noch nicht lange genug im Einsatz, um sie zu bewerten", sagt Stephan Weiler, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin.

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