Fortschrittliche Firmen kommen ganz ohne Papier aus

Digitale Produkt-Entwicklung birgt Millionen-Chance

10. September 2007
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Firmen können neue Produkte inzwischen nur noch effizient entwickeln, wenn sie digitale Hilfsmittel einsetzen. Wer zum Beispiel das Design noch mit Papier und Bleistift bewerkstelligt, bringt sein Produkt später auf den Markt als die Konkurrenz und zahlt drauf. Die Analysten von Aberdeen haben ausgerechnet, um wie viel Zeit und Geld es sich handelt. Und sie geben den Unternehmen Tipps an die Hand.

Zu Zeichnungen auf Papier vertritt Aberdeen eine klare Meinung: "Sie waren der Lebenssaft für die Produkt-Entwicklung im vergangenen Jahrhundert." Tempi passati, seit sich IT in allen Aspekten des Lebens durchgesetzt hat.

Wer nach wie vor mit derart veralteten Techniken arbeitet, braucht sich über die Einordnung als "laggard" von Seiten der Analysten nicht zu wundern. Die "Best-in-Class"-Firmen, also die Musterschüler, haben diese Nachzügler um Längen überholt und erreichen für mindestens 91 Prozent der Produkte die Ertrags-, Kosten- und Qualitäts-Ziele. Den rückständigen Unternehmen gelingt das nur zu einem Drittel.

Beträchtliche Unterschiede tun sich bereits in der Entwicklung von Prototypen auf. Aberdeen unterscheidet hier verschiedene Komplexitätsstufen. Bei der niedrigsten geht es um Produkte mit weniger als 50 einzelnen Teilen, deren Entwicklung zwischen einer Woche und einem Jahr dauert. Hier benötigen die digitalen Vorreiter im Schnitt 13 Tage und 7.600 US-Dollar weniger als die Konkurrenz, bis der Prototyp existiert.

Die höchste Kategorie besteht aus 1.000 bis 100.000 Teilen und reift zwischen einem und 20 Jahren heran. Die Musterschüler sparen gegenüber den Nachzüglern 99 Tage und 1,2 Millionen Dollar ein.