"Jede Branche hat die Anbieter, die sie verdient"

Digitalisierung muss branchenorientiert sein

15. Juli 2015
Der diesjährige "CIO-Move" ging in die Schweiz. 40 internationale IT-Chefs streiften den Weltwirtschaftsgipfel in Davos, befragten dessen IT-Verantwortlichen Alan Marcus nach seinen Themen und grübelten über der Frage: "What keeps you awake at night?"

Professor Helmut Krcmar von der TU München stellte den CIOs 2015 die gleiche Frage wie schon 2014: "Was hält dich nachts wach?" Der Move-Gründer meint damit: Welche beruflichen Herausforderungen sind so spannend - oder so bedrohlich, dass sie einen auch dann noch beschäftigen, wenn der rechtschaffende CIO eigentlich schlafen sollte. Die Antworten sind so vielschichtig, dass sie wieder ein ganzes Buch gefüllt haben. Grob zusammengefasst lässt sich aber sagen: Alle grübeln über der Frage, wie sie ihre Geschäftsmodelle digitalisieren. Manche mehr, manche weniger.

Edgar Aschenbrenner, CIO E.ON
"Die DigitalisierungDigitalisierung unseres Unternehmens beginnt im C-Level" Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Die Antworten sind branchenabhängig. Eine zweite Frage des Professors lautete auch 2015: "Wie reif ist dein Unternehmen in punkto Digitalisierung?" Eins steht für wenig digitalisiert, fünf steht für viel digitalisiert. Wer nah an der Fünf liegt, schläft in aller Regel besser, weil sein Unternehmen besser aufgestellt ist. Der Durchschnitt unter den 40 CIOs liegt bei 3,7.

"Jungs, ihr steht erst ganz am Anfang der Digitalisierung"

Nur ein CIO gab sich 2015 eine Eins: Peter Sany war zum Befragungszeitraum noch bei der Swiss Life. Er ist Experte für die Frage, welche Branche sich eigentlich am meisten um die eigene Zukunft sorgen sollte. Sany war CIO bei Novartis, Deutsche Telekom und Swiss Life, CTO bei der UBS und General Manager bei IBM. Seit dem 1. März ist er Präsident und CEO des "TeleManagement Forums", einem weltweiten Branchenverband von 900 IT- und Telekommunikationsanbietern mit Sitz in New Jersey. Sany kann also gut vergleichen. Er ruft seinen Ex-Versicherungskollegen zu: "Jungs, ihr steht erst ganz am Anfang der Digitalisierung."

Dirk Müller, CIO Haniel
"Ich bin der Sparring-Partner für den CEO"

Von der Swiss Life wechselt Sany wieder in ein Metier, in dem in punkto Digitalisierung deutlich mehr passiert als in der Versicherungsbranche. Obwohl eigentlich prädestiniert dafür, ein Vorzeigekandidat der Digitalisierung zu werden, schaffen die Versicherer es nicht, ihre ohnehin digitalen Services auch als solche zu verkaufen. Lieber pflegen die CIOs dieser Branche ihre Cobol-Systeme, als ernsthaft neue Online-Angebote anzugehen. Das liegt zum Teil auch an den Dienstleistern. Schon Thomas Noth, beim Move 2014 noch CIO des drittgrößten deutschen Versicherungskonzerns Talanx, raunte damals: "Jede Branche hat die Anbieter, die sie verdient."

Michael Nilles, CIO Schindler Group & CEO Schindler Digital Business AG
"Die Digitalisierung hilft uns dabei, Ausfallzeiten bei den Fahrstühlen zu minimieren."