IT übernimmt Rolle des "Digital Leaders"

Digitalisierung muss innovativ sein

12. November 2014
Ima Buxton arbeitet als freie Redakteurin in München. Sie schreibt schwerpunktmäßig zu Strategie- und Trendthemen.
Neue Geschäftsmodelle entstehen zunehmend auf Betreiben des CIOs und seiner IT-Abteilung. Die IT kommt dadurch in eine ganz neue Rolle wie Airbus-CIO Guus Dekkers, Andreas König, CIO bei ProSiebenSat.1, und Bernd Christoph Meisheit, Geschäftsführer Sana IT Services GmbH, im Video-Interview erläutern.

Die DigitalisierungDigitalisierung des Geschäftslebens ist in vollem Gange. Das wissen wir nicht erst, seit Marktforscher Gartner Ende des vergangenen Jahres eine neue Ära der digitalen Industrie prognostizierte. Schon lange weisen technologische Trends von Mobility über Cloud Computing bis zum Internet der Dinge den Weg in eine fortschreitend IT-gestützte Welt – mit weitreichenden Folgen für Unternehmen, so Gartner: Im Zuge der Entwicklung müssten komplett neue Geschäftsmodelle entwickelt werden, es entstünden ganz neue Industrien. Für die CIOs und ihre Teams bringe dies grundlegende Änderungen mit sich: Waren IT-Leiter in der Vergangenheit gefordert, den Anwender als Kunden und Business-Entscheider als Kollegen zu betrachten, müssten sie nun die Rolle eines „Digital Leaders“ übernehmen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Dreh- und Angelpunkt für Innovationen

Warum dieser Rollenwechsel für Unternehmen so bedeutsam ist, wird auch im Gespräch von CIO.de mit CIOs von Großunternehmen offenbar. Aus Sicht von Guus DekkersGuus Dekkers etwa, CIO beim europäischen Flugzeughersteller AirbusAirbus, ist die IT der Dreh- und Angelpunkt für Innovationen: „Bei allen Zielen, die wir verfolgen“ erläutert Dekkers, „ist die Informationstechnologie sowohl im Entwicklungsprozess als auch für den Entwicklungsgegenstand selbst von zentraler Bedeutung.“ Nur mit diesem Rollenverständnis der IT, so der CIO, könne das Unternehmen seine Innovationen effizient gestalten und betreiben. Top-500-Firmenprofil für Airbus Profil von Guus Dekkers im CIO-Netzwerk

„Alle neuen Geschäftsmodelle sind IT-getrieben“

Als Eckpfeiler für alle Aktivitäten seines Unternehmen, betrachtet Andreas KönigAndreas König, CIO bei ProSiebenSat.1ProSiebenSat.1, die IT. Ob im Fernsehbereich oder im Online-Videogeschäft, alles hänge von der Verfügbarkeit der IT ab, denn, so König, „alle unsere neuen Geschäftsmodelle sind IT-getrieben“. Das gelte insbesondere für den Content-Bereich des Medienunternehmens, wo sich gerade der Wandel vom klassischen TV-Geschäft hin zum digitalen Online-Videogeschäft vollziehe. Top-500-Firmenprofil für ProSiebenSat.1 Profil von Andreas König im CIO-Netzwerk

"Die Menschen mitnehmen"

“In seiner neuen Rolle als „Digital Leader“ kommt dem CIO und seinen IT-Mitarbeitern jedoch nicht nur die Aufgabe eines Betreibers von Technologie zu. Mindest ebenso wichtig sei ihre Rolle als Kommunikator, mahnt Bernd Christoph Meisheit, Geschäftsführer der Sana IT Services GmbH: „Die IT muss den Menschen die Dinge nicht nur zur Verfügung stellen, sondern muss sie auch motivieren, die zur Verfügung gestellten Tools zu benutzen.

Hohes Tempo setzt selbst CIOs zu

Dabei ist es Gartner zufolge gar nicht die eigentliche Umstellung auf neue Technologien, die vielen Mitarbeitern zu schaffen macht – es ist vor allem das hohe Tempo, in dem sich die Digitalisierung vollzieht. Selbst IT-Manager setzt der rasante technologische Fortschritt bisweilen zu: Laut der Gartner-Studie „Taming the digital dragon: the 2014 CIO Agenda“ befürchtet jeder zweite CIO, nicht mit dem hohen Tempo der Digitalisierung Schritt halten zu können. Hier gelte es jedoch mutig voranzuschreiten, raten die Analysten: Wer den digitalen Drachen zähme, eröffne seinem Unternehmen neue Wertschöpfungspotenziale und erneuere seine eigene Rolle.

Kommentar: Die Metamorphose der IT
von Dr. Wolfgang Martin, IT-Consultant

Wie schrieb noch Anfang unseres Jahrzehnts Nicholas Carr: „IT doesn‘t matter". Wenn einer mal so richtig daneben lag, dann er! Aber in der Vergangenheit hat man die IT in der Tat als einen der Unternehmens-unterstützenden Hilfsprozesse gesehen. In einem solchen Modell hatte Nicolas Carr dann völlig Recht, nur stimmt das Modell heute von Grund auf nicht mehr.

In verschiedenen Industrien hat man die Bedeutung der IT-Prozesse schon früher erkannt. Hier entstanden erste Gegenbeispiele zum Carr-Statement. Bei Audi in der Automobilentwicklung setzte sich vor mehr als 10 Jahren die Ansicht durch, dass man bei der Entwicklung eines neuen Automodells die IT von Anfang an braucht: Autos wurden so mit der IT zusammen entwickelt. Das waren die ersten Anfänge von Digitalisierung.

Weitere erste Ansätze zur Digitalisierung entstanden in der Standardisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen. Ziel war, menschliche Eingriffe in Prozesse möglichst zu vermeiden, da diese Zeit kosten und fehleranfällig sein können. Neben Effizienzsteigerungen von Prozessen in der Industrie und Fertigung fanden solche Modelle beispielsweise auch Einzug in das Banken- und Versicherungswesen. Trading wurde automatisiert und Versicherer wollten eine Dunkelverarbeitung erreichen.

Aber alle diese ersten Ansätze, die IT-Prozesse aus der Ecke der „nur“ unterstützenden Unternehmensprozesse herauszuführen, beschränkten sich auf Effizienzsteigerungen: Das Geschäftsmodell sollte weitgehend optimiert werden in Hinblick auf Durchsatzvolumen und Durchsatzzeiten. Eine Revolution durch IT im Sinne von Neuerfinden von Geschäftsmodellen war noch nicht in Sicht. Das ändert jetzt die Welle der Digitalisierung: IT-Prozesse werden wertschöpfende Prozesse und zielen auf die Effektivität von Geschäftsmodellen, die, genau wie Gartner es ja auch sagt, neu erfunden werden müssen. Als Konsequenz folgt: Die IT durchläuft eine Metamorphose. Wie und in welcher Geschwindigkeit, dass zeigen die Erfahrungen von CIOs, die in dieser Reihe vorgestellt werden.

Guus Dekkers, CIO Airbus, im Interview

"Wir bringen Dinge zum Fliegen"

Andreas König, CIO ProSiebenSat.1, im Interview

"Wir sind in Europa eines der führenden Unternehmen im Bereich Fernsehen und digitale Unterhaltung"

Bernd Christoph Meisheit, Geschäftsführer Sana IT Services GmbH, im Interview

"Die IT kommt in eine ganz andere Rolle"

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