Wachstumstreiber für internationale Unternehmen

Digitalisierung muss weltweit sein

18. Dezember 2014
Ima Buxton arbeitet als freie Redakteurin in München. Sie schreibt schwerpunktmäßig zu Strategie- und Trendthemen.
Internationale Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad haben enorme Wachstumschancen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine IT, die die Digitalisierung an verteilten Standorten unterstützt.

Die zunehmende Digitalisierung hat einen positiven Effekt auf das Wachstum der Wertschöpfung. Was Medienecho und die Präsenz des Themas auf Konferenzen und Veranstaltungen nahe legen, belegt eine Studie des Marktforschungsunternehmens Prognos. Danach ist rund ein Drittel des Wachstums in Deutschland auf die Digitalisierung zurückzuführen.

Die Bedeutung der DigitalisierungDigitalisierung für das Wachstum von Produktion und Wertschöpfung kann dabei gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, schlussfolgern die Prognos-Analysten: "In reifen Volkswirtschaften wie Deutschland (…) mit einem hohen Kapitalstock und einem zunehmenden Fachkräftemangel ist der technische Fortschritt der einzige langfristige Wachstumstreiber". Und für diesen wiederum sei die Digitalisierung ein wesentliches Element. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Es gibt nicht viele andere Wachstumsfaktoren, denen Marktexperten eine ähnliche Triebkraft zuschreiben wie der Digitalisierung. Die Globalisierung ist ein solcher Faktor. Das Beratungsunternehmen Ernst & Young stellt in einer Studie fest, dass sich Unternehmen, die überdurchschnittlich viel Umsatz im Ausland erwirtschaften, besonders gut entwickelt haben. Sie konnten ihren Umsatz doppelt so stark steigern wie Konzerne mit geringerem Globalisierungsgrad.

Zukunftsfähig durch Digitalisierung

Internationalität verbunden mit einem hohen Digitalisierungsgrad verschafft Unternehmen eine besonders zukunftsfähige Basis, läßt sich daraus schließen. Oder aber umgekehrt, dass die Digitalisierung weltweit sein muss, jedenfalls als Voraussetzung für global agierende Unternehmen.

Doch auch die weltweite Digitalisierung hat ihre Voraussetzungen. Damit diese an verteilen Standorten - was Internationalität ja immer beinhaltet - gelingen kann, ist ein technisches Umfeld erforderlich, das diese strategische Ausrichtung unterstützt. CIOs in Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad beschäftigen sich schon lange mit der Realisierung der erforderlichen IT-Umgebung, wie Rainer Janßen vom Rückversicherer Munich RE. "Wir sind sehr weit damit vorangeschritten, unsere internen Daten weltweit zusammenzubringen und gemeinsame Datenbanken zu nutzen. Wir haben sehr moderne Plattformen, wir haben keine Legacy, wir haben kein Mainframe, wir haben kein Unix oder ähnliches. Dafür sind wir in der Lage 1000-Core Data-Analysis-Cluster zu betreiben".

IT als Sprungbrett für umfassenden Nutzen der Digitalisierung

Für Janßen ist die leistungsfähige, agile IT-Landschaft das Sprungbrett für einen umfassenden Nutzen digitaler Produkte und Dienste. In Reifegraden gesprochen sieht er seine Organisation derzeit beim letzten Schritt zur vollständigen Digitalisierung, auch wenn dieser Schritt nicht der kürzeste auf dem Weg zum Ziel zu sein scheint: "Wir sind noch nicht am Punkt fünf angelangt, weil die Kreativität im Umgang mit diesen Möglichkeiten, noch nicht so ist, wie wir uns das wünschen."

Munich RE habe unglaublich viele Daten zur Verfügung, doch scheitere es noch an einem gemeinsamen Verständnis für Potenzial und notwendige IT-Tools. So habe auf der einen Seite der Fachbereich noch keine Ahnung, welche Antworten ihnen bereits vorhandene Daten mithilfe technischer Lösungen liefern könnten. Und die IT, auf der anderen Seite, noch keine genaue Vorstellung davon, welche Analysetools die Fachbereiche für ihre Arbeit benötigen.

Wie die Digitalisierung von Produkten Unternehmen zu mehr Präsenz am globalen Markt verhelfen kann, zeigt das Beispiel Infineon. Die Schaltkreise des Halbleiter-Herstellers sind längst nicht mehr ein reines Hardware-Produkt, sondern inzwischen ein Hybrid aus Schaltkreisen und Software. "Das sind Power-Bausteine, die es in der Vergangenheit so nicht gab und die unseren Kunden eine größere Flexibilität ermöglichen", erläutert Robert Leindl, CIO bei Infineon. "Der starke Software-Anteil an unseren Hardware-Komponenten hat es uns ermöglicht, neue Märkte zu erschließen."

Kommentar: Cloud als solide technische Basis für digitalen Workflow

von Siegfried Lautenbacher und Silvio Kleesattel, Beck et al. Services

Für das kommende Jahr haben viele Unternehmen die Weichenstellung Richtung internationaler Digitalisierung auf dem Plan. Konkret setzen sie da zumeist direkt bei der Technik an und versuchen, ihre unternehmensinternen Prozesse weltweit zu digitalisieren. Mit diesem Schritt wollen und müssen sie sich im Wettbewerb behaupten. Denn durch Digitalisierung können Mitarbeiter und Partner an weltweit verteilten Standorten schneller miteinander arbeiten. Für diese digitalen Workflows bieten sich die bereits stark ausgereiften weltweit verfügbaren Cloud-Umgebungen als solide technische Basis an. Sie sind flexibel einsetzbar und steigern die Performance. Deutschstämmige Unternehmen mit internationalen Dependancen gehören hier sicherlich zu den Vorreitern, dicht gefolgt allerdings von Westeuropa und Nordamerika.

Eine andere Voraussetzung für eine wirksame Digitalisierung ist die Dimension Industrie 4.0. Die Intelligenz der Systeme steuert damit Produkte, Werkzeuge, Maschinen und Lösungen innerhalb eines industriellen Prozesses. Genauer gesagt geht es darum, Daten aus vielen Senoren, Komponenten und Maschinen strukturiert zu sammeln und auszuwerten, um entsprechende Rückschlüsse für digitalisierbare Arbeitsabläufe zu ziehen. Industrie 4.0 schreitet sowohl in Westeuropa als auch Nordamerika rasant voran. In Schwellenländern (BRICS) wird oft noch zwischen Automatisierung und dem Schaffen von Arbeitsplätzen und Einkommen abgewogen. In den Entwicklungsländern hinkt die technologische Entwicklung in ihrem Reifegrad häufig noch der westlichen Welt hinterher. Das wiederum erfordert von internationalen Playern, die auf Digitalisierung setzen, ein sehr adaptives Vorgehen vor Ort.

Ein dritter wichtiger Bereich, den Unternehmen die sich auf die internationale Digitalisierung einlassen, bedenken müssen, ist die digitale Beziehung zum Kunden. Dabei geht es zum einen um den digitalen Entwicklungsgrad dieser Stakeholder, ebenso um die Wahrnehmung der Digitalisierung durch die Gesellschaft insgesamt. Zur Veranschaulichung: Es hilft wenig, wenn ein deutscher Ventilhersteller seine neue Generation an digitalen Ventilen im brasilianischen Amazonasgebiet bei Kraftwerken und Papierfabriken über digitale Workflows auf Apple Endgeräten anbietet. Das wäre eher ein digitaler Kulturschock. Fazit: Wichtig ist auf dem Weg zur internationalen Digitalisierung, die interne Prozessabläufe zu kennen und zu prüfen, Industrie 4.0 sowie digitale Kundenbeziehungen zu priorisieren. Allerdings immer unter der Berücksichtigung des digitalen Reifegrades der Kunden im Zielmarkt.

Rainer Janßen, CIO Munich RE

"Wir befinden uns in einem sehr interaktiven Suchprozess"

Robert Leindl, CIO Infineon Technologies

"In der papierlosen Fabrik werden alle Abläufe zentral gesteuert - das bringt Qualität, Effizienz und Geschwindigkeit"

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