Arbeitgeber für 40000 Menschen

Dirk Roßmann: "Sehe mich mehr als Moderator und Psychologen"

26. Juni 2014
Viel Liebe - und Streitkultur. Das sind für Dirk Roßmann Eckpfeiler des Erfolgs in seinem familiengeführten Konzern. Roßmann sieht sich als Mittler, nicht als Kontrolleur. Ein junger Trend in seiner Branche: Größe.

Etwa 1,6 Millionen Kunden kaufen in Deutschland jeden Tag bei Rossmann ein. Der Chef der Kette, Dirk Roßmann, spricht im Interview über Firma und Familie - und wie beides zusammengeht.

Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein. Sorgt Sie das?

Dirk Roßmann: Nein. Das Online-Geschäft ist bei Büchern, bei Elektroartikeln und bei Mode erfolgreich. Aber was ist bei Mode typisch? Eine riesige Marge - der Unterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis ist gigantisch. Deshalb ist auch beim Lebensmittelhandel online der große Durchbruch weltweit bisher nicht da. Wir haben im HandelHandel Preiskrieg - die Margen sind einfach zu klein, um den Aufwand zu rechtfertigen. Man hat zu viele Kosten im Online-Handel. Als Schlecker in die Insolvenz ging, fingen die Leute an, bei uns online zu kaufen. Das war das Schlimmste, was uns passieren konnte. Die Leute kauften Windeln und Toilettenpapier; da haben wir keine Marge, und deshalb machten wir Verluste. Top-Firmen der Branche Handel

Mitten in Hannover, wo Sie 1972 Ihren ersten Laden eröffneten, entsteht derzeit Ihre 33. hannoversche Filiale. Sie hat eine für Rossmann-Maßstäbe sehr große Verkaufsfläche. Ist das der neue Trend?

Dirk Roßmann: Eigentlich planen wir nur noch mit Läden ab 650 bis 700 Quadratmetern Verkaufsfläche aufwärts, andere machen wir gar nicht mehr auf. Der Trend zu großen Läden ist eindeutig: Wir schließen auch dieses Jahr wieder 70 kleine Läden in Deutschland, aber machen auch 150 große auf. Wir haben eine eigene Immobiliengesellschaft und entwickeln jährlich 15 bis 20 eigene Objekte. In den großen Städten ist es ganz schwer, Flächen dieser Größe zu bekommen.

Kann denn das Prinzip "Filialzahl runter, aber Gesamtfläche rauf" auch in dicht besiedelten Ballungsräumen funktionieren?

Dirk Roßmann: In Hannover haben wir vier Läden geschlossen und einen großen aufgemacht - aber das ist ein Rossmann-Markt, wie wir ihn uns heute vorstellen. In den neuen großen Läden haben wir zusätzliche Sortimente wie Spielwaren, Schreibwaren und Haushaltsbedarf. Wir sind zwar nicht der größte Spielzeuganbieter, aber wir gehören schon zu den zehn größten in Deutschland.

Sie sind 67 Jahre alt, die Staffelübergabe an Ihre zwei Söhne soll Schritt für Schritt ablaufen. Wie ist denn Ihre Arbeitsteilung?

Dirk Roßmann: Von IT, Logistik und Einkauf verstehe ich wenig. Von Expansion hingegen verstehe ich etwas. Dort arbeitet auch mein älterer Sohn Daniel mit. Im Einkauf arbeitet mein jüngerer Sohn Raoul. Meine Frau ist für die Eigenmarken verantwortlich. Jeder hat seinen Bereich. Die Führungskräfte haben Freiräume, und es ist meine Aufgabe zu sehen, wie sie untereinander agieren, wie das Betriebsklima ist. Ich sehe mich mehr als Moderator und Psychologen. Insofern wollen mich meine Söhne auch noch gar nicht loswerden.

Familie und Firma - haben Sie dafür ein Erfolgsrezept?

Dirk Roßmann: Wir gehen liebevoll miteinander um - mit wechselseitigem Respekt und Vertrauen. Wir streiten uns aber auch mal, wir zanken uns. Das gehört auch zu unserer Unternehmenskultur.

Zusammen mit Ihrer Frau Alice, Einkaufschef Klaus Praus und Finanzchef Roland Frobel führen Sie aktuell die Geschäfte. Praus und Frobel gehen zum Jahresende in den Ruhestand, neuer Einkaufschef wird Ihr Sohn Raoul. Und was ist dann mit den zwei Geschäftsführerposten?

Dirk Roßmann: Es gibt Nachfolger aus den eigenen Reihen, aber die Neuordnung will ich erst im Oktober bekanntgeben. (dpa/rs)

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