Die wöchentliche CIO-Kolumne

Dotcom-Doku

19. November 2001
Heinrich Seeger arbeitet als IT-Fachjournalist und Medienberater in Hamburg. Er hat über 25 Jahre IT-journalistische Erfahrung, unter anderem als Gründungs-Chefredakteur des CIO Magazins. Er entwickelt und moderiert neben seiner journalistischen Arbeit Programme für Konferenzen und Kongresse in den Themenbereichen Enterprise IT und Mobile Development, darunter IT-Strategietage, Open Source Meets Business, droidcon und VDZ Tech Summit. Zudem gehört er als beratendes Mitglied dem IT Executive Club an, einer Community von IT-Entscheidern in der Metropolregion Hamburg.
Vielleicht ist die New Economy ja gar nicht tot. Ihre Zuckungen sind zumindest noch beeindruckend schnell: Kaum ein Jahr nach dem Beginn des Dotcom-Massensterbens, das sich vom Silicon Valley aus über die ganze Welt ausgebreitet hat, gibt es auch schon den Kinofilm darüber.

Diese Woche kommt „Startup.com“ in die Kinos. Das heißt, er kommt in deutsche Filmtheater. In den USA ist der Dokumentarstreifen bereits im Sommer sehr erfolgreich gelaufen, was eine noch höhere Geschwindigkeit erfordert hat. Aber die haben sich die Filmemacher eben vom Plot des Films abgeschaut. Es geht um zwei Mitt- bis Endzwanziger, die alles mitbringen, was man von einem Jungunternehmer in der Goldgräberzeit erwartet hat: vor allem also die Bereitschaft, schnell zu handeln und hohe Risiken einzugehen. Kaleil Isaza Tuzman, einer der beiden, schmeißt also seinen Job als Investment-Banker bei Goldman Sachs hin und gründet zusammen mit seinem Kumpel Tom Herman „GovWorks.com“. Das Ziel der Firma: das Modethema Electronic GovernmentGovernment ans Laufen zu bringen und daraus ein funktionierendes Geschäftsmodell zu stricken. Strafmandate sollen online bezahlt, Formulare digital abgerufen und verschickt sowie die Behördenkommunikation ohne Schlangestehen im Web erledigt werden können. Die Idee kommt gut an und bringt viel Geld ein: Insgesamt 60 Millionen Dollar streichen die Jungunternehmer von den seinerzeit nicht zu bremsenden Risikokapitalisten ein. Mehr als 200 Leute arbeiten zu Spitzenzeiten für Herman und Tuzman; letzterer wird sogar ins Weiße Haus eingeladen und avanciert auf dem Weg zur Symbolfigur des jungen Business-Amerika. Dann die Wende zum mittlerweile weithin bekannten Bösen: Die versprochenen, aber natürlich nur grob kalkulierten Returns bleiben aus. Die Investoren, die sich zuvor auch nicht so schrecklich viel Mühe mit der Frage gemacht hatten, ob das Geschäftsmodell tragen würde, werden ungeduldig. Dringend benötigtes weiteres Kapital bleibt aus, und GovWorks geht rasant den Bach runter. Die Geschichte ist der Wirklichkeit entnommen. GowWorks gab es wirklich, Tuzman wurde tatsächlich durch die Fernsehstudios gereicht, und zu einer echten Audienz mit Bill Clinton kam es ebenfalls. Tuzman und Herman haben dabei natürlich eine Menge gelernt, wenn auch Schmerzliches. Und als echte Unternehmer setzen sie das gleich in eine neue Business-Idee um: Die Business-Bruchpiloten beraten nun ihrerseits Internet-Startups, die in die Krise geraten sind. Das könnte sich als ein tragfähigeres Geschäftsmodell erweisen als das von GovWorks: An potenziellen Klienten herrscht sicher kein Mangel. Ob die allerdings bezahlen können, dürfte ebenso unsicher sein wie das Ertragsmodell von GovWorks.com. Zumindest lässt das auf eine Fortsetzung hoffen: Thema: Was kommt dabei heraus, wenn gescheiterte Entrepreneure andere Unternehmer beraten, denen das Scheitern droht? Titelvorschlag: B to C - Back to Consulting. Termine und Orte: www.startupdotcom.de Alles zu Government auf CIO.de

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