Strategien


IT-Manager wetten

Drei viertel der Geräte reden mit

13. Februar 2015
Von Michael Nilles
Michael Nilles, CIO bei Schindler, wettet, dass in zehn Jahren 75 Prozent aller Industrieprodukte im Internet of Things kommunizieren.
Michael Nilles, CIO bei Schindler
Michael Nilles, CIO bei Schindler
Foto: Foto Vogt

Die Waschmaschine, der Elektroherd, die Klimaanlage, endlich auch die Kaffeemaschine und der Aufzug sowieso … diese und viele andere Industrieprodukte werden spätestens 2024 "intelligent" mitdenken. Sie erkennen, wenn ihr "Gesundheitszustand" sich verschlechtert, holen sich selbstständig Hilfe aus dem Netz - und wenn der Monteur vorbeikommt, dann, bevor das Produkt ausfällt und selbstverständlich gleich mit den richtigen Ersatzteilen.

Eine Vision, die wir alle so oder so ähnlich schon vor vielen Jahren mit den unterschiedlichsten Schlagwörtern gehört haben. Doch es gibt gute Gründe, warum nun massentauglich wird, was bisher nur für Spezialanwendungen Realität war.

Computergestützte Automation im Industriesektor setzte von Beginn an auf die Echtzeitverfügbarkeit von Steuerungsdaten. "Remote Monitoring" ist als Idee alles andere als neu. Bereits aus den 1940er-Jahren sind die ersten Pilotversuche von Energieversorgern zur Erhebung von Steuerdaten belegt, und spätestens seit Mitte der 1960er-Jahre haben sich mit SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) Echtzeit-Steuerungssysteme für industrielle Anlagen entwickelt und verbreitet. Ihr Anwendungsbereich blieb zunächst aber auf Großanlagen beschränkt.

CIO-Jahrbuch 2015
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Foto: cio.de

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Der technologische Fortschritt, insbesondere seit den 1990er-Jahren (zum Beispiel durch Internet, Mobility, Miniaturisierung von Sensorik oder Aktuatorik), sowie der Preisverfall und die Verbreitung der benötigten Komponenten öffnen den Markt für immer mehr Anwendungsfälle. Das Handelsblatt spricht von der "nächsten industriellen Revolution" und meint die Zusammenführung von IT und Produktionstechnik. Gartner spricht von "Operational Technology" und meint die stärkere Verschmelzung von Produkten und Services mit Informationstechnologie.

Intelligente Produkte, "Embedded Systems", "Internet of Things", "Machine to Machine Communication", Remote Monitoring von Maschinen und Anlagen, Fernwartung oder internetbasierte Logistik und Montage sind nur einige Entwicklungen, die die Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens durch leistungsfähige, erweiterbare IT-Lösungen befördern könnten.

Welchen Namen man dem Trend auch gibt, die Konvergenz von IT und Produkt bringt Veränderungspotenzial für das Geschäft. Durch den rasanten Fortschritt im Bereich digitaler und mobiler Technologien verändern sich bisherige Spielregeln und Gewohnheiten in der Kommunikation und Interaktion von Menschen.

Der Aufzugshersteller Schindler setzt Remote Monitoring seit über zehn Jahren in ausgewählten Kernmärkten ein. Eine spezielle, im Aufzug installierte Box überträgt ausgewählte Betriebsdaten der Anlage in Echtzeit an die Back-End-Systeme. Dort werden die Informationsströme mit einer Business Rules Engine ausgewertet und bei Bedarf Wartungsaufträge ausgelöst.

Die neue Ära des Remote Monitorings schafft weitere Effizienzsteigerungen und neue Geschäftsmodelle durch Interaktion verschiedener Back-End-Systeme und die Lösung zur mobilen Feldunterstützung. Der Techniker erhält die Wartungsaufträge auf sein Smartphone. Eine mobile Business-App liefert ihm nicht nur Informationen zur Anlage und einen Ersatzkatalog mit Warenkorb, sondern auch die Reparaturhinweise anhand der Remote-Monitoring-Symptome.

Spezielle Steuer-Apps helfen dann bei der Interaktion mit der Fahrstuhlsteuerung, etwa bei der Anpassung von Steuerparametern.

Ein logischer Schritt ist es nun, den Servicekunden diese Wartungsdaten so aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen, dass diese wiederum ihrerseits die Effizienz ihres Gebäudemanagements verbessern.

Und wie sieht es mit den anderen eingangs erwähnten Beispielen aus? Den Heizungsboiler mit Internetanschluss? Gibt es bereits. Waschmaschine und Elektroherd mit Remote Monitoring? Auch. Selbst die Kaffeemaschine mit 24/7-Monitoring können Sie bereits käuflich erwerben. Derzeit mag es sich noch um einige exotische Beispiele im Hochpreissegment handeln. Doch in zehn Jahren wird das intelligente Produkt so selbstverständlich sein wie schon heute das intelligente Auto.

Wie im Aufzugbau eröffnen sich auch für alle anderen Industrieunternehmen große Chancen für neue Geschäftsmodelle, Produkt- und Serviceangebote sowie verbesserte Prozesse. Allerdings bestehen auch nicht zu unterschätzende Risiken für Unternehmen: das Risiko, nicht zu handeln, wie auch das Risiko, das Falsche zu tun.

  • Wie verändern die Möglichkeiten zum Remote Monitoring Kundenbedürfnisse, Märkte und Wettbewerbssituationen?

  • Welche Möglichkeiten ergeben sich für das Geschäft (neue Produkte, Geschäftsmodelle, Partnernetzwerke, Vertriebskanäle etc.)?

  • Welche Bedrohungen entstehen (neue Marktteilnehmer, obsolete Produkte etc.)

  • Welche (Sicherheits-)Risiken entstehen durch die Digitalisierung von Produkten und Services? Und was ist zu tun, um diese Risiken beherrschbar zu machen?

  • Wie müssen Lösungen / Entwicklungsprojekte in diesem Umfeld strukturiert werden, um schnellen, aber nachhaltigen Erfolg sicherzustellen?

Patentrezepte dafür gibt es noch nicht, aber viele Industrie-Unternehmen, die beginnen, ihre Produkte und Services zu digitaliseren, über das Internet of Things kommunizieren zu lassen und darauf basierend dem Kunden Mehrwertdienste anzubieten.

Ich freue mich auf Ihre Gegenwette!

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