Die wöchentliche CIO-Kolumne

E-Commerce: Europa auf der Überholspur

14. Januar 2002
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Entgegen allen Vorbehalten lebt E-Commerce. Unter gewandelten Bedingungen eröffnen sich jetzt aussichtsreiche Perspektiven.

Erinnern Sie sich, wann Sie in ihrem Unternehmen dasletzte Mal über ein neues E-Commerce-Projekt gesprochenhaben? Ist es schon ein Weilchen her, dass der Vorstand dazugetagt hat? So sollte es aber nicht sein. Aktuelle Zahlendes Beratungsunternehmens IDC bestätigen, dass das Themaviel lebendiger ist, als die meisten Dot-Com-Firmen. DieMarktforscher aus Boston prognostizieren ein weltweitesjährliches Wachstum von 67 Prozent. West-Europa liegt mit 86Prozent "Compound annual growth rate" (CAGR) in denkommenden drei Jahren sogar noch über diesem Wert. Daskönnte ein guter Anlass sein, um über neueE-Commerce-Projekte zu sprechen.

Das enorme Wachstum in Euroland begründet IDC mit zweiArgumenten. Erstens: West-Europa hat Nordamerika in derZahl der Nutzer überholt. Seit Ende letzten Jahres surfenund mailen zwischen Lissabon und Helsinki mehr Menschen alsim Mutterland des Internet - und damit natürlich auch mehrEinkaufsinteressierte. Zweites Argument für dasE-Commerce-Potential in West-Europa: Die neuen Euro-Talermachen das Geschäft vor allem für Privatkundeneinfacher.

Und schließlich wäre da noch ein drittes Argument, daszwar den größten Einfluss auf die 86 Prozent CAGR hat, aberso trivial ist, dass IDC es gar nicht aufführt: Wer noch amAnfang einer Entwicklung steht, legt natürlich leicht dasgrößte Wachstum in Prozenten vor.

West-Europa hinkt Amerika in punkto E-Commerce immer nochhinterher. Zwar hat es gerade Japan überholt, doch derLöwenanteil des Netz-Umsatzes kommt nach wie vor aus denUSA. Auf mehr als eine Billion Dollar (englisch: Trillion)soll er in diesem Jahr weltweit anwachsen. B2B und B2Cgemeinsam kommen laut IDC bis 2005 auf 4,6 BillionenDollar.

Derlei schwindelerregende Zahlen entstehen allerdingsauch deshalb, weil IDC den Wert aller Transaktionen zusammenrechnet, die über das Internet zu Stande kommen, also auchsolche, die gar nicht im Netz sondern noch konventionell mitSchecks oder Überweisungen bezahlt werden. Aber dieseEinschränkung müssen Sie ja niemandem erzählen.

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