FORTBILDUNG IM UNTERNEHMEN

E-Learning ist auf dem Vormarsch

01. Oktober 2001
Von Angelika Eckert
Explodierende Schulungskosten, ein wachsender Qualifizierungsbedarf und eng bemessene Zeitrahmen: Das sind die Gründe, warum immer mehr Unternehmen herkömmliche Präsenzseminare durch E-Learning-Systeme ersetzen.
Kai Holger Liebert
Kai Holger Liebert

EIN SOLCHES DESASTER wollte Winfried Albrink nie wieder erleben. 18 Monate hatte seine Schulungsabteilung vor vier Jahren gebraucht, um die Mitarbeiter auf "Lotus Notes 4.0" umzuschulen. "Das sollte nicht noch einmal so lange dauern", so der Leiter der technischen Aus- und Fortbildung beim Markenartikler Henkel in Düsseldorf. Also führte er für die im Jahre 2000 anstehenden Versionswechsel von Lotus Notes und "SAPSAP", von denen 8000 der 15000 deutschen Mitarbeiter betroffen waren, E-Learning ein. Albrinks Fazit: "Ohne E-Learning hätten wir den Weiterbildungsbedarf unserer Mitarbeiter niemals in den Griff bekommen." Alles zu SAP auf CIO.de

Winfried Albrink, Leiter der technischen Aus- und Fortbildung bei Henkel ( www.henkel.de )
Winfried Albrink, Leiter der technischen Aus- und Fortbildung bei Henkel ( www.henkel.de )

Doch geht es bei E-Learning nicht nur um Zeitersparnis. Für siebzig Prozent der deutschen Großunternehmen spielt die damit verbundene Kostenreduzierung die Hauptrolle. Das ergab eine Studie des auf E-Learning spezialisierten Göttinger Beratungsunternehmens Unicmind. Unternehmen, die E-Learning einsetzen, berichten von Einsparungen bei den Weiterbildungskosten in Höhe von dreißig bis sechzig Prozent.

Kai-Holger Liebert, Leiter des Fachbereichs E-Media & Services bei Siemens Qualification and Training ( www.sqt.siemens.de )
Kai-Holger Liebert, Leiter des Fachbereichs E-Media & Services bei Siemens Qualification and Training ( www.sqt.siemens.de )

Diese Tatsache könnte in Zukunft für viele Seminarleiter zur Existenzfrage werden. Die Marktforscher von IDC sagen voraus, dass der Markt für E-Learning weltweit von zwei Milliarden Dollar im Jahr 1999 auf über 23 Milliarden im Jahre 2005 anwachsen wird. Dann würden nur noch 35 Prozent der betrieblichen Weiterbildung durch traditionelle Präsenzseminare abgedeckt; bisher sind es hierzulande noch rund 95 Prozent.

Christoph Weinzierl, Referatsleiter Medien und Technik im Fachbereich Bildung der Allianz ( www.allianz.de )
Christoph Weinzierl, Referatsleiter Medien und Technik im Fachbereich Bildung der Allianz ( www.allianz.de )

Auch bei Henkel verringerte sich der Bedarf an Trainern, nachdem Ende 1998 der Startschuss für das E-Learning- Projekt gefallen war. Zu dieser Zeit nahm das interne Help-Desk-Callcenter jährlich rund 120000 Anrufe von Henkel-Mitarbeitern entgegen, die Probleme mit Notes oder Office-Produkten hatten. Es ging deshalb auch um mehr Qualität und Effizienz bei der Mitarbeiterschulung. Zudem sollten die in E-Learning-Kursen erarbeiteten Ergebnisse in das konzernweite Knowledge-Management einfließen. Auch das war kein leichtes Unterfangen: Keine der seinerzeit verfügbaren E-Learning-Plattformen sah eine solche Verknüpfung vor.

Klaus A. Siegmann, Vorstand Arideon ( www.arideon.com )
Klaus A. Siegmann, Vorstand Arideon ( www.arideon.com )

Trotzdem zögerten Personal- und Finanzvorstand nicht lange mit ihrer Entscheidung: Die Investitionen für die Programmierung der Trainingsmodule und der zusätzlichen Funktionen sowie für die Implementierung und Anpassung waren überschaubar. Sie schlugen mit rund einer Million Mark zu Buche und versprachen zudem einen schnellen Return on Investment. Allein die Kosteneinsparungen beim Rollout der neuen Version des E-Mailund Planungsprogramms Lotus Notes waren immens, rechnet Klaus Siegmann, Vorstand der Arideon Unternehmensberatung, vor. Sein Unternehmen hat Henkel beim gesamten Projekt unterstützt. Weil 98 Prozent aller Schulungen online stattfinden konnten, sparte das Unternehmen 500 Präsenzschulungen ein, die Arideon mit 1500 Mark pro Tag ansetzt. Nach der Installation der neuen E-Learning-Infrastruktur ergäben sich bei der Einführung eines neuen Software-Release Kosteneinsparungen von einer halben Million Mark. "Die Investition hat sich schon in einem Jahr amortisiert", sagt Siegmann.

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