Realtime-Abläufe

Echtzeitdaten für die Vollbremsung

15. November 2013
Uwe Küll ist freier Journalist in München.
Die Beschleunigung und Vernetzung von Geschäftsprozessen schreitet voran. Voraussetzung sind Systeme, die das Steuern und Analysieren von Realtime-Abläufen ermöglichen.

Nina Wegner ist überzeugt: "Unternehmen erkennen, dass sie vor tief greifenden Veränderungen stehen. Rund drei Viertel verstehen die Realtime-Economy als einen echten Paradigmenwechsel, der die Unternehmensstrategie, Geschäftsprozesse und vor allem die IT betrifft." Die Geschäftsführerin von BT Germany macht diesen Paradigmenwechsel in Konzernen an konkreten Kundenprojekten fest, bei denen Abläufe, die früher Tage gebraucht haben, auf Stunden oder Minuten verkürzt werden konnten. "Das stellt entsprechend höhere Anforderungen an die Netzwerk- und IT-Infrastruktur."

Deutsche Konzerne geben Gas

Zu ihren Erkenntnissen kommt Wegner aufgrund einer aktuelle Studie der Experton Group, die BT in Auftrag gegeben hat. Danach gewinnt Geschwindigkeit immer mehr Bedeutung für den Erfolg von Unternehmen. Die Faktenlage ist klar: Bei rund einem Drittel der Befragten (32,8 Prozent) haben sich die Geschäftsprozesse in den vergangenen zwei Jahren erheblich beschleunigt und vernetzt. In rund sechs Prozent der Firmen erreichen sie bereits Echtzeittempo. Bis 2015 rechnet schon ein Zehntel der Entscheider (10,2 Prozent) mit einer Beschleunigung auf Echtzeitgeschwindigkeit.

Knapp 42 Prozent der Studienteilnehmer glauben, dass Tempo und Vernetzungsgrad der Geschäftsabläufe weiter stark steigen werden. Von geringfügig beschleunigten und vernetzten Prozessen geht ein gutes Drittel (34,6 Prozent) aus, und nur 13,4 Prozent erwarten, dass ihre Geschäftsprozesse weitgehend unverändert ablaufen werden.

Die Folgen dieser Entwicklung für die Unternehmen beschreibt Luis Praxmarer, Global Research Director bei der Experton Group, so: "Um Geschäftsabläufe in Echtzeit zu realisieren, müssen die Unternehmen Prozesse intelligenter gestalten. Das beginnt bei der Planung und geht über Entwicklung, Produktion und Auslieferung bis hin zum fertigen Produkt sowie den damit verbundenen Serviceprozessen. Denn solange die Intelligenz nur in den Köpfen der Mitarbeiter sitzt, geht zu viel Zeit an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine verloren."

Gelingt es hingegen, die im Laufe eines solchen Prozesses anfallenden Daten unabhängig von ihrer Herkunft und Beschaffenheit zentral zu erfassen, auszuwerten und allen beteiligten Instanzen die für sie relevanten Informationen automatisiert zu übermitteln, entstehen sich selbst steuernde Regelprozesse, in die der Mensch nur noch bei grundsätzlichen Änderungen eingreifen muss. Graduelle Unterschiede, beispielsweise in der Bedarfssituation oder in der Verfügbarkeit von Ressourcen, werden indessen automatisch registriert und ausgesteuert.

Unter dem Label "IndustrieIndustrie 4.0" haben solche Veränderungen bereits Eingang gefunden in ein neues Wirtschaftsmodell, das vor allem durch die Vernetzung von Mitarbeitern, Infrastruktur und Produkten gekennzeichnet ist und insbesondere dem Fertigungsstandort Deutschland neue Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung eröffnen soll. Top-Firmen der Branche Industrie

Glaubt man BI-Experten wie Wolfgang Martin, dann sind Leuchtturmprojekte aus deutscher Fertigung bereits auf den Straßen der Welt unterwegs: "Das Beste und bekannteste Beispiel dafür ist das fahrerlose Auto, wie es ja bereits von Firmen wie Mercedes, Bosch, aber auch GoogleGoogle präsentiert wurde." In Form der Einparkautomatik habe das Prinzip bereits Serienreife erreicht. Alles zu Google auf CIO.de

Beispiel Autoindustrie

Dabei entfalten sich zwei wesentliche Faktoren von Analytik: Sensoren und die Vernetzung von Daten aus unterschiedlichen Quellen. Wenn das Auto mit 100 Stundenkilometern auf der Autobahn unterwegs ist, kommen eine Menge Daten zusammen, die permanent von den vielen Sensoren im Auto erfasst werden - gegebenenfalls auch noch von anderen Autos davor und dahinter. Diese Daten müssen in Echtzeit ausgewertet werden, um das Auto zu steuern, damit es die Spur hält, einem Hindernis auf der Fahrbahn ausweichen kann und die richtige Abfahrt nimmt.