Lieferketten-Management

Effizient unterwegs

24. Juli 2007
Von Patrick Goltzsch
Zwar implementieren viele Unternehmen SAP für ihre Lieferkette. Doch erscheint vielen CIOs die Software für diese Zwecke allein nicht geeignet. Kleine und flexible Lösungen ergänzen das träge SCM-Gerüst.
Bernd Seeburger, Gründer des SCM-Spezialisten Seeburger AG: "Die Lieferkette ist vor allem eine Frage der Kooperation, und die wird von psychologischen Faktoren geprägt."
Bernd Seeburger, Gründer des SCM-Spezialisten Seeburger AG: "Die Lieferkette ist vor allem eine Frage der Kooperation, und die wird von psychologischen Faktoren geprägt."

Die Ergebnisse der Umfrage überraschen: Nur jeder dritte CIO hat Systeme speziell für sein Lieferketten-Management installiert, jeder zweite setzt softwareseitig auf SAPSAP. Laut Marktforscher Raad Marketing Consult stechen im SCM-Bereich nur wenige Anbieter hervor (siehe Grafik unten), weit vorne im Ranking sind SAP, OracleOracle und Infor. Alles zu Oracle auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

SCM-Markt: SAP bietet ein SCM-Grundgerüst.
SCM-Markt: SAP bietet ein SCM-Grundgerüst.

Beim hohen Anteil von SAP-Kunden unter den an SCM interessierten Unternehmen sieht Nils Niehörster, Geschäftsführer von Raad, einen direkten Zusammenhang zur Größe: "Vor allem große Firmen befassen sich mit dem Thema SCM, und die setzen häufig SAP-Systeme ein.“ Gleichzeitig steht der Markt nach Ansicht vom Berliner Beratungshaus Capgemini vor der KonsolidierungKonsolidierung: "Anbieter mittlerer Größe werden verschwinden“, sagt Martin Raab von Capgemini. Der Vice President erwartet vor allem mit SAP und Oracle die Dominanz der zwei Software-Riesen auch im SCM-Bereich. Software-Hersteller wie die vom US-amerikanischen Softwarehaus JDA übernommenen Firmmen Manugistics oder I2 spielen im deutschen Markt dagegen kaum mehr eine Rolle. Alles zu Konsolidierung auf CIO.de

Die Kleinen ergänzen die Großen

Den wenigen großen Anbietern steht jedoch eine Vielzahl von kleineren Spezialisten gegenüber: "Bei SCM gibt es noch einen hohen Innovationsgrad, da zahlen sich die Investitionen aus“, meint Raab. Zudem erlaube der Übergang zu Service-orientierten Architekturen (SOA) auch die bessere Integration von Nischenlösungen, so der SCM-Berater von Capgemini.

Trend: Supply-Chain-Event-Management.
Trend: Supply-Chain-Event-Management.

Einen anderen Grund für die große Zahl von Nischenanbietern nennt Horst Wildemann, Professor am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung, Logistik und Produktion der TU München: "Auf Grund der Individualität der Unternehmen und ihrer Prozesse ist die SAP-Lösung suboptimal. Viele nutzen daher nur die Basiselemente und ergänzen diese um individuelle Lösungen." So verfügen etwa die Systeme der gängigsten Anbieter über Schnittstellen zu den zentralen ERP-Systemen der marktdominierenden SAP und kommen als SCM -Speziallösungen häufig direkt an entfernten Produktionsstandorten als separate Logistiklösung zum Einsatz. Vielerorts benötigen die Kunden nur Fragmente einer bestimmten Lieferkette und selten eine alle Lieferstufen umfassende Komplettlösung.