IT Excellence Benchmark


IT Excellence Benchmark 2008

Eigentlich glücklich

01. Oktober 2008
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer ist mit der IT in ihren Unternehmen zufrieden. Aber es gibt unnötige Missstände und Blockaden. Zum Beispiel: "Die Nachteile des mobilen Arbeitens überwiegen die Vorteile", sagt jeder zwölfte der 16.000 Anwender bei der größten deutschen IT-Zufriedenheitsstudie. Das sind zwar nur acht Prozent und somit eine Minderheit der Befragten - aber darf man sie vernachlässigen?
Helmut Krcmar, Professor an der TU München und Mit-Initiator des IT Excellence Benchmark: "Regieren kann anstrengend werden, wenn eine Partei mit mehr als fünf Prozent grundsätzlich gegen einen ist."
Helmut Krcmar, Professor an der TU München und Mit-Initiator des IT Excellence Benchmark: "Regieren kann anstrengend werden, wenn eine Partei mit mehr als fünf Prozent grundsätzlich gegen einen ist."

Er spricht auf 100 Konferenzen. Er sitzt in 1.000 Gremien. Und er organisiert ganz nebenbei die größte deutsche Zufriedenheitsstudie für IT-Anwender. Helmut Krcmar wäre praktisch nie zu erreichen, gäbe es nicht mobile IT. Gerade tourt der Professor vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität München durch Indien. In Hyderabad wird er sein Notebook aufklappen und E-Mails checken. Alle seine Mitarbeiter versichern, dass er das tun wird. Der Professor liest alle Mails zeitnah, sagen sie. Aber wird er auch antworten?

"Der Fluch der mobilen IT ist, dass alle immer gleich eine Antwort erwarten", sagt Ralf Nyenhuis, CIO der
Markenfilm GmbH in Wedel bei Hamburg. Nyenhuis hat in diesem Jahr den IT Excellence Benchmark gewonnen. Die Markenfilm-Mitarbeiter haben die IT in seinem Unternehmen mit der Note 1,73 ausgezeichnet. Das ist der beste Zufriedenheitswert, den die 16.111 Teilnehmer des diesjährigen Benchmark vergeben haben. Computer, Zubehör und Services stimmen. Die Markenfilm-Mitarbeiter fühlen sich vom Helpdesk ernst genommen, sie erkennen den Wertbeitrag ihrer IT-Abteilung. Jeder zweite lobt die Vorteile der mobilen IT.

Alltägliche Wochenend-Arbeit

Mobile IT: Zufrieden mit Hardware und Verfügbarkeit.
Mobile IT: Zufrieden mit Hardware und Verfügbarkeit.

Und trotzdem sind selbst im Vorzeigeunternehmen sechs Prozent der Befragten unzufrieden. Auf die Aussage "Die Vorteile der mobilen IT überwiegen die Nachteile" antworten sie mit "Nein, stimme nicht zu" oder "Nein, stimme weniger zu". Diese sechs Prozent sind keinesfalls Modernisierungs-Verweigerer. Die gibt es bei Markenfilm gar nicht. Beim größten deutschen Werbefilmer kann sich kein Kreativer leisten, aufgrund von Strahlenlast oder Eingriff in die Privatsphäre auf mobile IT zu verzichten. Über diese kleinen Nachteile sehen die Betroffenen bereitwillig hinweg. Wochenend-Arbeit ist in der Werbebranche Alltag. "Die sind schon alle leidgeprüft“, sagt Nyenhuis.

Das Problem ist der globale Erreichbarkeitswahn.Kunden aus Japan und Amerika erwarten umgehend Rückruf oder Antwort per E-Mail - ohne blassen Schimmer, in welcher Zeitzone sie gerade Menschen tyrannisieren. "Unser Job fängt oft erst um 16 Uhr an, wenn die Agenturen in Amerika kommunizieren", sagt
Nyenhuis. Und er würde um drei Uhr nachts enden, wenn die letzten Kreativen in Kalifornien realisieren, dass es in Deutschland dunkel ist - wären da nicht die Japaner. Faktisch will König Kunde rund um die Uhr
bedient werden, was für die Mittelständler aus Wedel nur durch Selbstaufgabe zu lösen wäre. Oder durch Expectation-Management à la Krcmar: Der Professor ruft natürlich nicht zurück. Würde er nur tun, wenn ihm
etwas wirklich gegen den Strich geht.