Die neue Greencard

Ein nutzloses Blatt Papier

10. Januar 2005
Die alte Greencard-Regelung ist Ende 2004 ausgelaufen. Unternehmen kritisieren die hohen Gehaltsgrenzen des neuen Gesetzes.

Über fehlende Arbeit kann sich der Chef des Aachener Telekommunikations-Spezialisten Aixcom Martin Steppler nicht beklagen. In seinem Betrieb sind die Auftragsbücher gefüllt. Seine Sorge gilt einem anderen Punkt. "Mit der Neuregelung der Greencard wurde die Einkommensgrenze nach oben verschoben", sagt Steppler. Für eine Fachkraft aus Asien müsse seit Anfang dieses Jahres anstatt bisher 50 000 jetzt mindestens 84 000 Euro Jahresgehalt bezahlt werden. "Damit wird der Experte aus Indien zu teuer für ein mittelständisches Unternehmen", erbost sich Steppler. "Mit der Neuregelung hätte ich mir Harianto Wijaya nicht leisten können."

Der Indonesier Wijaya galt vor vier Jahren als Inbegriff der dringend benötigten Hochqualifizierten und war der erste Greencard-Inhaber. Seine Urkunde, ein graues Stück Papier, ist im Bonner Haus der Geschichte ausgestellt. Seinerzeit angestellt von Steppler, brach der Elektrotechniker seine Laufbahn vorzeitig ab. Wijaya ging noch einmal zur Universität, um seine Doktorarbeit zu beenden. Der Elektroingenieur bleibt allerdings in Deutschland und beginnt in diesem Frühjahr bei der Deutschen Forschungsgesellschaft, DFG, einen neuen Job. Dort wird er Modelle für einen Prototypen im Mobilfunksystem entwickeln.

Während Wijaya mit seiner KarriereKarriere zufrieden ist, macht Martin Steppler eine andere Rechnung auf. "Selbst wenn ich wollte - ich könnte keine deutschen IT-Experten einstellen", sagt Steppler. "Der Rohstoff Ingenieur wächst nicht nach." Allein im Studienfach Elektronik könne nicht einmal der "Jahresbedarf von Siemens" gedeckt werden. "Wenn ich nicht schnell nach Auftragserteilung einen Software-Ingenieur einstellen kann, geht mir der Auftrag verloren", sagt Steppler. In Zeiten der IT-Euphorie wurden monatlich bis zu 1000 Arbeitskräfte, vornehmlich aus Indien, Russland und Osteuropa, nach Deutschland geholt. Erst gab es zu viel Arbeit, dann zu wenig. Mit der Krise in der IT-Branche haben auch ausländische Computerexperten, die mit einer Greencard auf fünf Jahre eine Arbeitserlaubnis in Deutschland erhalten haben, zwischenzeitlich ihren Job verloren. Andere potenzielle Bewerber schreckte dann die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt ab. Alles zu Karriere auf CIO.de

Das IT-Sonderteam der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn, von der Bundesregierung eigens für die Vermittlung der Fachkräfte ins Leben gerufen, hat bis 2004 rund 590 Fälle von Arbeitslosigkeit registriert. Vermittelt wurden im Zeitraum von vier Jahren rund 17000 IT-Spezialisten. "Wie viele davon sich noch in Deutschland aufhalten, ist uns jedoch nicht bekannt", so Sabine Seidler, Sprecherin der ZAV. Sie vermutet, dass viele Greencard-Inhaber Deutschland in den Krisenjahren den Rücken gekehrt haben.

Inder befürchten Umsatzrückgang

Trotz schwacher Konjunktur hat die Bundesregierung das Projekt Greencard noch einmal um ein Jahr bis Ende 2004 verlängert. "Es sollte eine Brücke bilden zur Neuregelung, die Anfang 2005 in Kraft getreten ist", erklärt Sabine Seidler. Denn der Bedarf an ausländischen Computer-Fachkräften nimmt wieder zu. Seidler: "Wir brauchen eben Spezialisten und keine Allrounder. Wer Chips herstellen kann, kann wiederum keine Telefonanlagen aufbauen." Die Profile müssten genau in das Unternehmen passen. Nachfragen kämen insbesondere aus der Automobilzulieferbranche und der Mikrochip-Entwicklung.

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