Dokumentarfilm

Ein Plädoyer für Whistleblower kommt ins Kino

05. November 2014
Drei Jahre lang arbeitete die Snowden-Vertraute Laura Poitras an "Citizenfour". Nun erst spricht sie über den Dokumentarfilm zu den Snowden-Enthüllungen.

Seit drei Jahren arbeitet Laura Poitras an ihrem Film, und seit drei Jahren hat sie öffentlich kaum etwas über das Projekt verraten. Dabei war das Interesse seit dem vergangenen Sommer enorm. Damals lernte die Welt Edward Snowden kennen, den schmalen IT-Nerd, der die Geheimnisse des US-Geheimdienstes NSA an die Öffentlichkeit brachte. Das Video, das ihn in Hongkong zeigte, wurde millionenfach angesehen. Gefilmt hat es Laura Poitras.

Nun kommt ein ganzer Dokumentarfilm von ihr ins Kino. "Citizenfour" dreht sich um die Snowden-Enthüllungen und die Überwachungsprogramme der NSA. Poitras kann nun endlich über ihr Projekt sprechen. "Was in diesem Hotelzimmer in Hongkong passiert ist, war ein monumentaler Moment des Journalismus", sagt die 52-Jährige über ihr Treffen mit Snowden.

Die ersten Nachrichten von Snowden erhielt Poitras Anfang 2013. Zu der Zeit hatte sie bereits zwei Filme über die USA nach dem 11. September gedreht. Einer zeigt den Krieg im Irak, ein zweiter spielt in Guantanamo und im Jemen. Ihr Irak-Film "My Country, My Country" wurde 2007 für den Oscar als beste Dokumentation nominiert. In ihrem dritten Film sollte es um die NSA gehen. Auf Anraten von Freunden zog Poitras von den USA nach Berlin, wo sie sich sicherer fühlte.

Die Filmemacherin begann, mit dem Fremden zu kommunizieren, der sich "Citizenfour" nannte. Anfangs hatte sie Sorge, dass ihr jemand eine Falle stellen wollte. Doch Snowdens Nachrichten "waren so detailliert und spezifisch", sagt sie. "Es wäre schwer gewesen, sich das auszudenken."

Poitras achtete peinlich genau auf Sicherheitsmaßnahmen. Sie kaufte einen neuen Computer und setzte Programme ein, mit denen sich nur wenige Menschen auskennen. Ihr Mitstreiter Glenn Greenwald lobte immer wieder Poitras' Verständnis für die Technik. Die bedächtige Frau bildet den Gegenpart zu dem kämpferischen Greenwald, der oft lautstark seine Meinung vertritt; Poitras dagegen hält sich eher im Hintergrund. Doch Greenwald hatte von Verschlüsselung keine Ahnung. Ohne Poitras wäre Snowden mit seinen Informationen auf taube Ohren gestoßen.

Mit "Citizenfour" liefert Poitras ein Plädoyer für Informanten wie Snowden. "Warum müssen erst Whistleblower zeigen, was die Regierung tut, und dafür solche Opfer auf sich nehmen?" fragt sie. Auch andere Journalisten beklagen, wie scharf die amerikanische Regierung gegen Informanten vorgeht. Poitras spricht von "beängstigenden Zeiten" für Journalisten und Informanten.

Gleichzeitig sieht sie das Werk nicht als Verteidigung von Snowden. "Ich bin nicht die Risiken für diesen Film eingegangen, um jemanden zu überzeugen", sagt sie. Doch es wird deutlich, dass Poitras auf Snowdens Seite steht. Fast eine Stunde lang nimmt sie die Zuschauer mit nach Hongkong. In dem engen Hotelzimmer wird die Stimmung immer angespannter, es folgt die dramatische Flucht von Snowden. Mittlerweile lebt er mit seiner Freundin in Moskau.

Poitras hat an den Enthüllungsgeschichten weitergearbeitet, unter anderem mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Berichte hätten das öffentliche Bewusstsein verändert, sagt sie. "Ob das auch dazu führt, dass Regierungen ihre Überwachungsprogramm ändern, ist eine offene Frage." (dpa/rs)

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