Praxiserfahrungen

Einführungsstrategie für SAP HANA

Peter Ratzer ist Partner bei Deloitte. Er arbeitet dort seit 1998. Er ist auf die Beratung von CIOs bei der Entwicklung von strategischen Konzepten bis hin zur operativen Umsetzung einzelner Konzeptkomponenten fokussiert.
Alex Gruener ist Senior Manager Technology Advisory bei Deloitte.
Thorsten Krieger ist Senior Manager Technology Advisory bei Deloitte.
Eine sehr enge Abstimmung mit den Fachbereichen ist notwendig, um den Nutzen für das Business transparent zu machen. Denn HANA kann z.B. durch Automatisierung die Prozesskosten massiv senken, nur wenn der Fachbereich dies zulässt.

SAPSAP HANA ermöglicht als In-Memory-Plattform die Echtzeitsteuerung der verschiedenen Unternehmensprozesse und erfüllt Anforderungen an Big DataBig Data Warehousing, Planung und Organisation sowie Predictive Analytics. Mit S/4 HANA hat SAP die Module Finance und Logistic bereits technisch optimiert. Wer SAP HANA einführen möchten, muss sich mit folgenden Fragestellungen auseinander setzen: Alles zu Big Data auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

  • Welche Funktionen kann ich als CIO den Fachbereichen kurz- und mittelfristig anbieten und wie werden diese davon profitieren?

  • Was sollte ich in meinen eigenen Anwendungen verändern, die heute auf SAP laufen, und nach welchen Kriterien sollte ich entscheiden?

  • Wie kann ich sicherstellen, dass meine Investitionen in die neue Plattform nachhaltig und planbar sind?

Kurz- und mittelfristige Mehrwerte schaffen

SAP HANA ist nicht bloß ein neuer Datenbanktyp, sondern vielmehr eine Plattform, die die Datenströme des Unternehmens zentriert. Man ist gut beraten, dies zuzulassen, wenn man die Vorteile von SAP HANA nutzen will. Anstatt auf Informationen zu warten, ersetzen On-demand-Informationen zeitgesteuerte Batch-Prozesse. Damit können viele IT-gestützte Abläufe automatisiert werden und das Arbeiten am Bildschirmplatz verändert sich zunehmend mehr zum Exception Handling. Beispiele finden sich in S/4 HANA z.B. beim Supply Chain Forecasting.

Damit stellt sich die Frage nach einer geeigneten HANA Einführungsstrategie. Aus der Praxiserfahrung besteht diese aus drei Eckpfeilern:

1. Daten zentrieren

Sicherlich liegt es nahe, als erstes ein bestehendes SAP-System auf SAP HANA zu portieren. Es ist zu empfehlen, das mit dem nächsten Wartungszyklus zu verbinden, da eine Datenbank Migration eine Down-Time erfordert, auch wenn SAP hier einen einfachen Plattformwechsel mit nahezu keiner Downtime verspricht. Ein vollständiger Regressionstest ist notwendig, um sicherzustellen, dass alle Anwendungen wie vorher funktionieren, auch wenn lediglich Datenbank Hints und datenbankspezifische Abfragen nicht mehr unterstützt werden. Hiermit wird vermutlich ein Performancegewinn erreicht.

Daten von Nicht-SAP-Anwendungen sind über diverse Services in SAP HANA integrierbar. Der SAP Enterprise Information Management (EIM) Service kann Daten aus dritten Systemen wie z.B. AS/400 in HANA über Adaptoren zur Verfügung stellen. Mit dem SAP Landscape Transformation (SAP LT) Replication Server können ereignisgesteuert Daten nicht nur geladen, sondern auch repliziert werden. Damit besteht die technische Möglichkeit, Daten zentral zur Verfügung zu stellen.

2. Informationen liefern

Mit SAP HANA können beliebig große Datenmengen nicht nur wegen der In-Memory Fähigkeit verarbeitet werden, sondern weil die Verarbeitung der Daten auch auf Datenbankebene erfolgt. Damit verlagert SAP den Business Logic Layer von der Applikationsschicht auf die Datenbank. Hier werden große Datenmengen zu Informationen verarbeitet, die den Fachbereichen für Unternehmensentscheidungen zur Verfügung stehen.

SAP HANA ist keine Out-of-the-Box-Lösung, sondern eine Umgebung, die mächtige Werkzeuge zur Datenanalyse zur Verfügung stellt. Für diese Zwecke hat SAP eine eigene Entwicklungsumgebung, das SAP HANA Studio zur Verfügung gestellt. Hier muss die IT zukünftig Skills aufbauen, um z.B. Eigenentwicklungen in SAP für HANA zu optimieren.

Reporting Systeme wie z.B. Business IntelligenceBusiness Intelligence von SAP Business Objects können über sogenannte Views auf die Daten zugreifen und diese geeignet visualisieren. Mit dem HANA extended Service (HANA XS) können webbasierte Anwendungen direkt auf HANA zugreifen. Damit ist der Weg bereitet, beliebige Reporting- oder transaktionale Apps auch mobil oder via Web dem Vertrieb, Management oder Dritten zur Verfügung zu stellen. Alles zu Business Intelligence auf CIO.de

3. Arbeitsabläufe automatisieren

Durch die Echtzeitverarbeitung der Daten in SAP HANA können Geschäftsprozesse automatisiert werden. Während viele Entscheidungen heute auf Basis von Dashboards oder Tabellen getroffen werden, kann man vielfach diese durch entsprechende analytische Algorithmen in SAP HANA automatisieren. Das Automatisierungspotenzial steigt jedoch nicht mit den technischen Möglichkeiten, sondern mit der Offenheit der Fachbereiche zur Automatisierung ihrer Geschäftsabläufe.

Eigene Anwendungen auf SAP HANA heben

Wie bereits eingangs beschrieben, laufen eigene Anwendungen in SAP sowie ggf. Modifikationen auch auf HANA, wenn man auf die Nutzung datenbankspezifischer Feature im ABAP Code verzichtet (z.B. Hints, Store Procedures, direkte Datenbankabfragen, etc.). Um jedoch die HANA Vorteile zu nutzen, sollte man über folgende Optimierungsstrategien nachdenken:

  1. Die Automatisierung von Unternehmensabläufen kann ggf. massiv die Prozesskosten senken. Dies bedeutet in der Regel jedoch ein Re-Design der bestehenden Anwendung, da bestimmte Transaktionen nicht mehr notwendig sind - manuelle Bearbeitungsschritte werden durch das System ersetzt. Neue Transaktionen sind ggf. notwendig, um den automatisierten Prozess zu überwachen und Ausnamefälle zu bearbeiten.

  2. Eigene Anwendungen müssen auf HANA optimiert werden, um gewünschte Zugriffs- oder Verarbeitungszeiten zu verbessern. Hierzu verlegt man Abfragen und Datenberechnungen auf die Datenbankebene (vgl. Abbildung 1: Performanceverbesserung durch SAP HANA Optimierung). Lediglich der Aufruf der HANA Operationen und die Visualisierung bleibt im ABAP Stack. Das Datenmodell insbesondere bei eigenen Tabellen muss ggf. auch angepasst werden.

Abbildung 1: Performanceverbesserung durch SAP HANA Optimierung
Abbildung 1: Performanceverbesserung durch SAP HANA Optimierung
Foto: Deloitte

Wir empfehlen eigene Anwendungen dann zu optimieren, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

  • Automatisierungsbedarf liegt vom Fachbereich vor

  • Stark Benutzerfrequentierte Anwendung verarbeitet großes Datenvolumen

  • Performanceverbesserung gewünscht

  • Es liegt ein Report vor

In SAP HANA planvoll investieren

SAP HANA ist eine strategische Plattform, die zunehmend im Unternehmen genutzt wird. Das bedeutet, dass tendenziell eine Entscheidung über die erweiterte Nutzung von SAP HANA ansteht. Daher empfiehlt es sich von Anfang an, diese Dynamik in die Planung der Lizenz- und Hardwareinvestitionen einzubeziehen. Cloud-Services oder Shared Services beim Hardware oder Data Center Provider, auch als Tenant Lösung bekannt, sollte man dabei in Betracht ziehen.

Speicher, Rechenleistung und Lizenzen stehen bei SAP HANA in einem engen Verhältnis. Daher sollte man auf den Ressourcenbedarf der SAP-HANA-Anwendungen achten. Drei Einflussfaktoren bestimmen die Bearbeitungszeit und damit den Ressourcenverbrauch in SAP HANA: die Komplexität der Datenverarbeitung, das Datenvolumen und die Anzahl von Zugriffen auf diese Daten. Steigt die Intensität dieser Einflussfaktoren derart, dass die Kapazität der Hardware erreicht wird, können die Kapazitäten nur durch Hardware-Erweiterung und damit zusätzliche Lizenzen erweitert werden.

Falls die Hardware innerhalb der geplanten Nutzungszeit nicht ausreicht, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, Hardware hinzuzufügen (vgl. Abbildung 2: SAP HANA System im Scale-out oder Scale-up Szenario):

  • Scale Up: Verfügt das System über weitere ungenutzte Ressourcen, die z.B. durch Erwerb von Lizenzen freigeschaltet werden, kann man flexibel und einfach auf den Ressourcenbedarf reagieren.

  • Scale out: Verfügt das bestehende System nicht mehr über Hardwarereserven, müssen weitere Systeme, man spricht hier von Nodes, beschafft werden. Der Nachteil ist nur, dass einer der Nodes administrative Aufgaben übernehmen muss, um die Zusammenarbeit beider Hardwarekomponenten zu koordinieren. Diese Koordination kostet im Vergleich zum Scale up wertvolle Geschwindigkeit und der Betrieb stellt sich wesentlich aufwendiger dar.

Abbildung 2: SAP HANA System im Scale-out oder Scale-up Szenario
Abbildung 2: SAP HANA System im Scale-out oder Scale-up Szenario
Foto: Deloitte

Es gibt mittlerweile Techniken, die den grundsätzlichen Ressourcenverbrauch pro End User und Datenbankabfrage durch ein verändertes Berechnungskonzept massiv senken können. Man spricht hier von logischer Skalierbarkeit. Dies sind Konzepte, die insbesondere in der Batchbearbeitung oder bei hochfrequenten und komplexen Berechnungsroutinen eingesetzt werden können.

Um nachhaltig Investitionen in HANA planen zu können, empfiehlt sich daher

  • ein proaktives Kapazitätsmanagement für den laufenden Betrieb

  • in der Projektierung neuer Funktionen oder Applikationen auf HANA ein enger Austausch mit den Fachbereichen hinsichtlich Datenvolumen und hinsichtlich Sizing mit den HANA Experten Ihrer IT.

Fazit

Eine Einführung von SAP HANA kann nur dann gelingen, wenn die IT sich darauf vorbereitet, in dem sie entsprechend neue Experten an Bord holt und HANA als Mehrwert für das Business verkauft. Dabei ist eine sehr enge Abstimmung mit den Fachbereichen notwendig, um den Nutzen für das Business transparent zu machen. Denn HANA kann z.B. durch Automatisierung die Prozesskosten massiv senken, wenn der Fachbereich dies zulässt. Und nur dann setzt man die technischen Potenziale von SAP HANA mehrwertspendend für das Business ein.

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