Annahme widerlegt

Erfahrung macht Führungskräfte nicht besser

13. Februar 2013
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Wirtschaftspsychologen der Hochschule Osnabrück zeigen in einer Studie, dass weder Berufs-, Führungs- noch Lebenserfahrung Menschen zu besseren Chefs machen.
Nur weil jemand Führungserfahrung mitbringt, macht ihn das nicht automatisch zu einem besseren Chef.
Nur weil jemand Führungserfahrung mitbringt, macht ihn das nicht automatisch zu einem besseren Chef.
Foto: Picture-Factory - Fotolia.com

Man findet kaum eine Stellenanzeige, in der Arbeitgeber nicht mehrjährige Berufserfahrung vom Wunschkandidaten fordern. In der Regel besetzen Unternehmen gerade Führungspositionen nur mit Personen, die zuvor auf einer tieferen Hierarchieebene Erfahrungen gesammelt haben.

"Dahinter steckt die Annahme, dass Erfahrung mit wertvollen Lernprozessen einhergeht, was wiederum ein besseres Führungsverhalten zur Folge hat", schreiben die Wirtschaftspsychologen Professor Uwe Peter Kanning und Philipp Fricke von der Hochschule Osnabrück in der Zeitschrift Personalführung. Dort stellen sie ihre Studie vor, die untersucht, wie nützlich Erfahrung tatsächlich ist.

Zweifel, dass Berufserfahrung das Führungsverhalten verbessert

Die Wissenschaftler zweifeln an der These, dass man sich durch Lebens- oder Berufserfahrung automatisch positiv weiterentwickelt. Das hänge von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von der Intelligenz, der Leistungsmotivation und der Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen.

Kanning und Fricke untersuchten die Leistung von 814 Mitarbeitern eines Unternehmens, die eine Potenzialanalyse für angehende Führungskräfte durchlaufen hatten. Die Forscher interessierte besonders, ob sich Führungserfahrung, die Anzahl der bislang geführten Mitarbeiter und das Lebensalter positiv auf das Abschneiden in der Potenzialanalyse auswirken würden.