Niederländische Studie offenbart Mängel

Erfolg von Business Intelligence schwer messbar

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Zu einem verheerenden Ergebnis kommt eine Studie aus den Niederlanden: Nur wenige Unternehmen profitierten finanziell von Business Intelligence (BI), so das Beratungshaus Passioned. Ein harter Befund, der im Nachbarland nicht ohne Widerspruch blieb.
Nur 6,6 Prozent der befragten Firmen haben tatsächlich durch BI Geld gespart. Die Erwartungen gingen weit darüber hinaus. Quelle: Passioned, 2009
Nur 6,6 Prozent der befragten Firmen haben tatsächlich durch BI Geld gespart. Die Erwartungen gingen weit darüber hinaus. Quelle: Passioned, 2009

Nur 6,6 Prozent der fast 400 befragten Organisationen haben durch den Einsatz von BI Geld gespart, hat Passioned herausgefunden - ein aufsehenerregendes Ergebnis nach einer langen Untersuchungszeit von drei Jahren. Von einer herausragenden oder viel versprechenden Performance berichtet lediglich ein Viertel der Firmen. Ist BI also eine Fehlinvestition? Mitnichten, schallt das Echo aus der Unternehmenswelt in den Niederlanden. Und selbst die Verantwortlichen für die Studie sehen das Problem eher darin, dass es in den Unternehmen am richtigen Umgang mit BI hapert.

In der Zeitschrift Computable zweifelt Jorgen Heizenberg, BI-Experte von Capgemini, daran, ob sich der tatsächliche Wert von BI und Performance Management überhaupt darstellen lässt. BI als Prozess beschleunige den Überblick über Entscheidungsgrundlagen, was aber nicht unbedingt einen belegbaren Nutzen mit sich bringe. "Wie quantifiziert man den Nutzen von besseren oder schnelleren Entscheidungen?", fragt Heizenberg. "Wie lässt sich bestimmen, was es kostet, auf Basis von fehlenden oder unvollständigen Informationen entscheiden zu müssen?"

BI zielt oft nicht auf direkten ROI

Für Stefan van Duin von Deloitte Consulting basiert der Business Case von BI häufig überhaupt nicht auf einem direkten Return on Investment (ROI.
Für Stefan van Duin von Deloitte Consulting basiert der Business Case von BI häufig überhaupt nicht auf einem direkten Return on Investment (ROI.

Stefan van Duin von Deloitte Consulting weist darauf hin, dass der Business Case von BI häufig überhaupt nicht auf einem direkten Return on Investment (ROIROI) basiere. Er halte jedenfalls dem Befund von Passioned entgegen, dass der Business Case von BI fast immer realisiert werde. Koos Bosman, Marketing Manager von IBMIBM, bläst ins gleiche Horn. Er stellt in Frage, ob es den befragten Unternehmen wirklich um Kostenersparnis gegangen sei. "Der übergroße Anteil von BI-Projekten hat zum Ziel, die Wettbewerbs-Position zu verbessern, gesetzliche Regeln einzuhalten, strategische Ergebnisse transparent zu machen und damit die Handlungsfähigkeit zu vergrößern." Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu ROI auf CIO.de

Die Experten von Passioned folgern aus dem Ergebnis ihrer Studie auch selbst nicht, dass BI wertlos sei. Gute Technologien und schlaue Software seien durchaus wichtig - so wie das Wasser für den Körper. Aber zum Überleben reiche eben die Zufuhr von Flüssigkeit alleine nicht aus. Die Hauptursache des schlechten Befundes sei, dass viele Firmen BI implementieren, ohne die Anwender zum sinnvollen Umgang mit der Technologie anzuhalten. Der Mensch aber müsse immer ihm Mittelpunkt der Überlegungen stehen, so die Berater.

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Themen: IBM und ROI

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