Dieter Engels, Präsident Bundesrechnungshof (BRH)

"Erfolgreiche IT-Projektarbeit ist kein Nebenjob"

07. Oktober 2002
CIO: In welchen IT-Bereichen haben die Rechnungshöfe besonders viele Beanstandungen?
Dieter Engels, Präsident Bundesrechnungshof (BRH)
Dieter Engels, Präsident Bundesrechnungshof (BRH)


Dieter Engels: Zu Schwerpunkten haben sich Projektplanung und -durchführung entwickelt. Diese Arbeitsfelder ergeben sich aus den Verschiebungen zwischen den großen Ausgabenblöcken: weniger Ausgaben für Hardware, deutlich ansteigende Ausgaben für Software, mehr für Aus- und Fortbildung und noch mehr für externe Unterstützung und Beratung. Zum anderen geht es immer mehr um klare Anforderungsdefinitionen der Verwaltungen: Wo liegen die Gründe für die Probleme bei der tatsächlichen Nutzbarkeit der Resultate teurer IT-Projekte und hoher IT-Investitionen?

Wäre es sinnvoll, IT-Verantwortliche oder zumindest verantwortliche Projektleiter einzustellen?

Diese Entwicklung unterstützen wir. Das kann man in verschiedenen Ressorts, aber auch nachgeordneten Stellen der Bundesverwaltung beobachten. Dort wurden in den vergangenen Jahren IT-Verantwortliche eingesetzt, allerdings nicht immer mit einer entsprechenden Personalausstattung und ausreichenden Haushaltsmitteln. Es ist wichtig, Projektpersonal von anderen Verwaltungstätigkeiten freizustellen. Erfolgreiche IT-Projektarbeit ist kein Nebenjob.

Kann die öffentliche Hand ihre IT-Investitionsvolumen bündeln?

Das wäre aus mehreren Gründen sinnvoll: Rahmenverträge werden bereits seit langem und mit Erfolg praktiziert. Das führt zu standardisierten Anforderungen und ist mit Kostenvorteilen durch größere Volumina bei der Beschaffung verbunden. Nach unseren Beobachtungen ist die Marktposition der öffentlichen Hand und insbesondere die des Bundes im IT-Bereich aber nicht sonderlich stark. Wichtiger ist mir die Einhaltung der in Europa geltenden Regeln des Vergaberechts. Es darf nicht dazu kommen, dass aufseiten der Anbieter nur noch sehr große Untenehmen in der Lage sind, die gebündelte Nachfrage in den geforderten kurzen Zeiträumen abzuarbeiten.

Wie ist die IT-Kompetenz beim Bundesrechnungshof verteilt und gewährleistet?

Der Bundesrechnungshof setzt zurzeit 16 Mitarbeiter für Prüfungen der IT in der Bundesverwaltung ein; hinzu kommen rund 30 IT-Prüfer in den Prüfungsämtern des Bundes. Alle unsere Mitarbeiter verfügen über einen Fachhochschul- oder einen Hochschulabschluss. Und diese Prüfer beschäftigen sich nicht mehr ausschließlich mit IT, sondern zunehmend mit komplexen Fragestellungen. Je weiter die Fragen über den IT-Einsatz hinausreichen, desto schwieriger ist es allerdings auch, geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Der Erfolg der Personalgewinnung hängt davon ab, interessierten Bewerbern dieses außerordentlich spannende Arbeitsfeld auch als solches zu vermitteln; dank dieser Attraktivität können die nicht so hohen Beamtenbezüge etwas in den Hintergrund treten. Bei Spezialfragen, die nicht von eigenen Mitarbeitern beantwortet werden können, greifen wir auf externe Expertisen zurück.

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