Profunde Marktkenntnis und regelmäßige Kommunikation unerlässlich

Erfolgreiches Offshoring: Täglich den Provider anrufen

06. August 2007
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Wer ein gutes Händchen für den Offshoring-Provider hat, steigert die User-Zufriedenheit um 30 Prozent. Andere erreichen nur eine Steigerung von vier Prozent. Der Erfolg hängt davon ab, wie häufig mit dem Provider gesprochen wird - und davon, wo der sitzt. Inder sind zum Beispiel immer noch billig, kommen im Qualitätsvergleich aber nicht besonders gut weg. Das geht aus einer Studie des Marktforschers Aberdeen hervor.
Kostensenken steht immer noch im Mittelpunkt beim Offshoring. Analysten raten, trotzdem nicht nur auf's Geld zu gucken.
Kostensenken steht immer noch im Mittelpunkt beim Offshoring. Analysten raten, trotzdem nicht nur auf's Geld zu gucken.

Aberdeen unterstützt die These, dass der Blick aufs Geld allein keinen Erfolg mehr bringt. So wurden die so genannten "Best in Class"-Firmen (Unternehmen, die anhand bestimmter Kriterien als besonders erfolgreich gelten), die sich gegen Indien und für China oder Osteuropa entschieden haben, mit dem Schnitt der Unternehmen verglichen, die an den Subkontinent outsourcen.

Ergebnis: Zwar berichten 78 Prozent der Indien-Kunden gegenüber 67 Prozent der "BiCs" von Kostensenkungen. Aber: 61 Prozent der Klassenbesten beobachten eine Verbesserung der Operationen und Prozesse. Von denen, die nach Indien auslagern, sind es nur 26 Prozent. Und während sich in 78 Prozent der BiCs die IT-Abteilung jetzt stärker auf strategische Arbeiten konzentrieren kann, trifft das nur auf 53 Prozent der Indien-Kunden zu. Und: 56 Prozent der "BiCs" melden eine erhöhte User-Zufriedenheit. Unter denen, die nach Indien auslagern, sind es nur 24 Prozent.

Fazit: Das gelobte Land des IT-Outsourcings gibt es nicht. Aberdeen rät zu einer Multi-Sourcing-Strategie, bei der mehrere Provider aus verschiedenen Ländern ausgewählt werden. Das ist schon allein deswegen wichtig, um bei politischen oder anderen Krisen nicht in falschen Abhängigkeiten zu stecken.

Wer sich für Indien entscheidet, fährt nicht unbedingt gut.
Wer sich für Indien entscheidet, fährt nicht unbedingt gut.

Wer erfolgreich outsourcen will, muss sich also mit den Providern und ihren Leistungen genau auseinandersetzen. Das scheint schwerer zu sein als gesagt. Auf die Frage nach den größten Herausforderungen beim Offshoring äußern knapp drei von vier Befragten (74 Prozent) Probleme, einen Provider mit den richtigen Skills zu finden. Schwierigkeiten gibt es auch mit ungeeigneten Management-Strukturen (55 Prozent), Unklarheiten darüber, welche Bereiche ausgelagert werden sollen (54 Prozent) und Verzögerungen wegen sprachlicher oder kultureller Probleme (52 Prozent).