Storage-Trends

Ersetzt Software-defined Storage teure Speicherschränke?

29. Januar 2015
Christian Vilsbeck war viele Jahre lang als Senior Editor bei TecChannel tätig. Der Dipl.-Ing. (FH) der Elektrotechnik, Fachrichtung Mikroelektronik, blickt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit Mikroprozessoren zurück.
Software-defined Storage (SDS) beziehungsweise Storage-Virtualisierung machen das Management und das flexible Zuweisen von Ressourcen einfacher, egal welche Hardware dahinter steckt. Warum sollen Kunden noch teure Speicherschränke statt Commodity einsetzen? Wir haben Dell, EMC, Fujitsu, HDS, HP, IBM, NetApp und Oracle gefragt.

Alles wird "Software-defined": SDDC (Software-defined Data Center), SDN (Software-defined Networking) und SDS (Software-defined StorageStorage). Was steckt hinter den ganzen Begriffen? Im Prinzip nichts anderes, was bei der VirtualisierungVirtualisierung von Servern schon seit vielen Jahren praktiziert wird. Eine Software-Ebene abstrahiert die dahinter liegende Hardware. Die Ziele sind klar: Die vorhandene Hardware wird besser ausgelastet, Ressourcen lassen sich flexibel je nach Anforderung schnell verschieben, die Komplexität des IT-Managements reduziert sich. Mit anderen Worten - die Kosten sinken. Alles zu Storage auf CIO.de Alles zu Virtualisierung auf CIO.de

Wenn also die Intelligenz und die Funktionalität in die Software hinein wandern, dann könnte die Hardware simple Commodity werden. Muss also das Storage künftig Tiering, Deduplizierung, Redundanz für Ausfallsicherheit, RAID & Co. nicht mehr selbst beherrschen? Ganz so einfach ist es sicherlich nicht…

Wir haben die Experten führender Unternehmen im Storage-Segment nach Ihrer Meinung gefragt, ob bei Software-defined Storage nicht nach wie vor die dahinter liegende Hardware eine entscheidende Rolle spielt:

Warum sollen Kunden dennoch auf Ihre Storage-Lösung setzen?

Hans Schramm - Dell: "Software-defined Storage ist zu einem Schlagwort geworden und wird sich mittelfristig in breitem Umfang im Markt etablieren. Die aktuelle Praxis sieht oft jedoch noch anders aus. Die Hardware hinter SDS ist noch nicht ganz so egal, wie es womöglich scheint. Das zeigen auch die unterschiedlichen Appliances, die auf dem Markt erhältlich sind.

Viele aktuelle Storage-Systeme sind schon seit langem Software-basiert. Ansonsten wären Anwendungsszenarien wie dynamisches Tiering oder ein Storage-Baukasten nicht möglich. Diese Lösungen sind etabliert, getestet und zertifiziert. Sie bilden gewissermaßen die Spitze der Storage- Evolution. Natürlich kommen auch revolutionäre Lösungen auf den Markt, die sich aber zunächst noch etablieren müssen und werden."

Dr. Stefan Radtke - EMC: "Nicht dennoch, sondern genau deswegen: EMC ViPR ist eine 100-prozentige Software-defined-Storage-Lösung, die den Kunden hilft, solche einfachen Speicherlösungen zu implementieren. Und dies ist sowohl bei voller Wahlfreiheit der Infrastruktur als auch bei einem hohen Flexibilitätsgrad bei der Automatisierung möglich. Ferner beinhaltet ViPR eine Workflow- und Service-Katalog-Komponente. Im Übrigen entsprechen die Cloud Lösungen häufig nicht den Performance- und Data-Privacy-Anforderungen europäischer Unternehmen."

Stefan Roth - Fujitsu: "Bei geschäftskritischen Anwendungen müssen die Storage-Infrastrukturen andere Anforderungen bewältigen als bei Server-Virtualisierungs- oder OpenStack-Infrastrukturen."

"Um die Storage-Systeme richtig anzupassen, müssen die einzelnen Anforderungen aus den Geschäftsanwendungen abgeleitet und in den Storage-Systemen abgebildet werden. Unsere Lösungen sind auf diesem Gebiet besonders flexibel und lassen sich an jegliche Bedürfnisse anpassen. Mit unserer Automated-Quality-of-Service können die Business-Anforderungen sogar direkt vom Speichersystem aus gesteuert werden. Eine hohe Nachfrage gibt es derzeit außerdem bei Storage-Systemen, die universell einsetzbar sind wie Hybrid Flash Systeme."

Dr. Georgios Rimikis - Hitachi Data Systems: "Gerade aus diesem Grund sollten Unternehmen unsere Speicherlösungen einsetzen. Denn in unseren Enterprise Storage ist Virtualisierung bereits im Speichersystem implementiert und kann bei Bedarf vom Unternehmen eingesetzt werden. Das ist definitiv ein Alleinstellungsmerkmal. Unsere im April 2014 angekündigte Virtual Storage Platform G1000 ist eine Software-defined Storage-Lösung."

"Storage Virtualisierung beziehungsweise Software-defined Storage sind also bereits essentielle Elemente unserer Speicherlösungen. Denn es geht längst nicht mehr darum, dass ein Unternehmen neue Festplatten oder Flash-Speicher integriert oder Ressourcen zuweist. Vielmehr dreht sich die Diskussion um Business-relevante Themen wie einer schnellen und einfachen Analyse der abgelegten Daten, um daraus Informationen zu generieren und so Business-Entscheidungen mit Fakten zu untermauern.

Hitachi Data Systems erfüllt diese Anforderungen - bis hin zu einer hundertprozentigen Verfügbarkeit. Dies haben wir bereits häufig unter Beweis gestellt und deswegen vertrauen Unternehmen uns und unseren Lösungen. Wir sehen uns nicht als Speicheranbieter, sondern als Partner, der gemeinsam mit dem Kunden die Speicherlösung auf die geschäftlichen Anforderungen des Unternehmens ausgerichtet, um eine IT zu bilden, die softwarebasiert, automatisiert, hoch-performant, skalierbar, unterbrechungsfrei, erweiterbar und virtualisiert ist."

Guido Klenner - Hewlett-Packard: "Storage-Virtualisierung beziehungsweise Software-defined Storage sind integrale Bestandteile des HP-Produktportfolios. Deshalb sind Kunden mit Anforderungen in diesem Storage-Segment bei HPHP gut aufgehoben. Durch den hohen Integrationsgrad der HP-Speicherlösungen in die Hypervisior-Managementumgebungen, z.B. vCenter von VMware oder MicrosoftMicrosoft SCOM, besteht zwischen den SAN-Storage-Lösungen und den sogenannten Server-SAN- oder HyperConverged-Lösungen kein Unterschied mehr. Hier kann das Management-Tool HP OneView mit seinem Plug-in für die Hypervisoren verwendet werden." Alles zu HP auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

Ralf Colbus - IBM: "IBM ist Weltmarktführer im Bereich der Virtualisierung mit weit über 60.000 Virtualisierungs-Units im Markt und über 10 Jahren Erfahrung mit Speichervirtualisierung. Mit Elastic Storage und IBM Virtual Storage Center ist IBM jetzt auch die Nummer 1 im SDS-Umfeld. Aber - und das ist ebenfalls wichtig - es werden im Alltag von Rechenzentren nach wie vor spezialisierte Systeme gefragt. Eine "One size fits all"-Lösung wird sich nicht durchsetzen. Komponenten aus HE-Storage, Tape, Flash, Virtualisierung etc. bleiben auch in Zukunft relevant. Transaktionale Workloads, Latency-kritische Workloads und Workloads, die Konsistenz erfordern, werden so schnell nicht in Software-Defined Storage überführt werden."

Johannes Wagmüller - NetApp: "Software-defined Storage (SDS), das auf verschiedenen Hardware-Plattformen nutzbar ist und Automationsmöglichkeiten besitzt, wird auch mit Cloud-Anwendungen einsetzbar sein. So entsteht eine Data Fabric, die von On-Premise bis zur Public Cloud reicht. SDS ermöglicht es Applikationen, einheitlich auf Daten zuzugreifen, die in der Cloud liegen. Zudem erleichtert SDS das Datenmanagement beim Umzug von Applikationen in die Cloud.

SDS für Object-Storage wird die Brücke schlagen zwischen On-Premise und Cloud Object-Repositories. Die Storage Effizienz in einigen Software-Defined Storage Angeboten, wie beispielsweise bei Cloud ONTAP, reduziert außerdem die Kosten der Datenübertragung in die Public Cloud sowie beim Ablegen aktiver Daten in der Public Cloud für einen längeren Zeitraum. Daher erübrigt sich im Grunde die Frage, da Data ONTAP bereits SDS liefert."

Vincenzo Matteo - Oracle: "Vorhandene Möglichkeiten zur Leistungssteigerung können nicht ausgespielt werden, wenn über Storage Virtualisierung und Software-defined Storage eine zusätzliche Ebene geschaffen wird. Intelligente Anwendungen wie Oracle Database werden dann "blind" für Storage. Man kann das mit einem Sportwagen mit deaktiviertem Turbolader vergleichen - Rennen gewinnt man damit nicht."