Zeitungen austragen, Würschtl braten

Erste Ferienjobs von CIOs

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Heute beherrscht Erich Ehbauer Bits und Bytes, früher briet der CIO von Apollo-Optik Würschtl. Airbus-CIO Guus Dekkers war Zeitungsausträger und Christoph Heiss, CIO der Maschinenfabrik Reinhausen, ließ sich eingipsen. So mancher CIO sammelte als Schüler analoge Arbeitserfahrungen im ersten Ferienjob, wie unsere Umfrage zeigt.

Der Anzugträger mit Rechner oder iPadiPad - dieses Bild mögen viele vom CIO haben. Doch ein Blick auf die Berufswege heutiger IT-Chefs zeigt, dass sie sich in jungen Jahren durchaus die Finger schmutzig gemacht haben. Für cio.de berichten IT-Führungskräfte von ihren ersten Ferienjobs. Wer nun glaubt, die heutigen CIOs hätten immer nur Mathe-Nachhilfe gegeben oder den Atari getestet, der irrt. Alles zu iPad auf CIO.de

Erich Ehbauer zum Beispiel. Der heutige Apollo Optik-CIO hatte in puncto Geldverdienen schon früh den Durchblick. Musste er auch: der jugendliche Ehbauer war "immer in finanziellen Engpässen. Mein Moped Kreidler RS und das Rauchen ausprobiert, das war zu viel", lacht er. Also hieß es schon mit dreizehn Zeitungen austragen und mit 16 in die Lehre als Industriekaufmann. 150 Mark gab es damals (um 1970) im ersten Lehrjahr. Also packte Ehbauer bei Volksfesten mit an, brutzelte Würstchen, malerte und tapezierte.

Der Ausdruck Broterwerb galt bei Ehbauer wörtlich. Er fuhr Mähdrescher und Traktor, lieferte in den umliegenden Dörfern Bier und Brot aus. 1974 dann der Wechsel in die EDV, wie das seinerzeit noch hieß. Da war dann Schluss mit Blaumann, stattdessen bekam Ehbauer einen weißen Kittel verpasst. Was aber sicher cool aussähe zu den Sonnenbrillen, die Apollo Optik heutigen Ferienjobbern auf die Nase setzt.

Mit dem Mix aus Hedonismus und harter Arbeit steht Ehbauer nicht alleine. Auch Christoph Heiss, damals gerade sechzehn Jahre jung, wollte Moped fahren. Und packte dafür an: "Ich arbeitete damals in der Gipsbindenproduktion eines Verbandstoffherstellers", berichtet der heutige CIO der Maschinenfabrik Reinhausen. In diesem Ferienjob musste Heiss den Gips richtig und gleichmäßig auf den Mull aufbringen. Danach wurden die Gipsbinden zugeschnitten, verpackt, kartoniert und so weiter.

Nach kurzer Zeit folgte der Aufstieg aus der Produktion in die Abteilung Präsentation: der junge Ferienjobber wurde gefragt, ob er sich als "Opfer" bei Werbevorführungen des Verbandstoffherstellers eingipsen lassen wollte. "Auf diese Weise lernte ich alle möglichen Verbände kennen", sagt Heiss. Er erinnert sich schmunzelnd an die Spannung, "als dann die wichtigen, aber äußerst sensiblen Körperstellen mit einer Säge ausgeschnitten wurden". Und noch etwas hat der heutige CIO aus dieser Zeit mitgenommen: "Für mich war es gut, die Produktion asu der Arbeiterperspektive kennenzulernen und zu wissen, was es heißt, körperlich zu arbeiten."

Das wusste auch Guus Dekkers früh. Der CIO von Airbus hat sein erstes Geld ebenfalls mit Zeitungen austragen verdient. "Kostenlose Wochenzeitungen mit endlos viel Werbung", erinnert er sich. Das hieß jeden Morgen um halb sechs aufstehen, 20 Kilo Gepäck aufs Rad und strampeln, bei Wind und Wetter. Nachhaltiger Nebeneffekt: eine gute physische Kondition - und der Ansporn, die lukrativeren Programmierskills auszubauen.

Wenn der Schuljunge gestandene Ingenieure unterrichtet

Lukrativ waren die Programmierskills von Ingo Bachmann bereits früh. Noch als Schuljunge gab er Kurse an der Volkshochschule - Programmieren. "Natürlich Basic", sagt der IT-Leiter von Zott lachend. Um grinsend anzufügen: "Selbst noch ein Teenager, war ich erstaunt, dort gestandene Ingenieure als Schüler zu haben."

Wobei - es ist ja nicht auszuschließen, dass heutige Teenager ihr Taschengeld aufbessern, indem sie gestandenen Managern FacebookFacebook erklären. Alles zu Facebook auf CIO.de