Retail IT


Verkauf von Elektronik und Flugtickets im Visier

EU geht hart ins Gericht mit Online-Shops

29. September 2009
Von Hartmut  Wiehr
Die EU-Kommission geht erneut hart ins Gericht mit den Betreibern von Online-Shops: Diesmal trifft es den Handel mit Unterhaltungselektronik: 55 Prozent der Websites wurden wegen gravierender Informationsmängel gerügt.

Die EU-Kommission hat nach den Online-Verkäufern von Flugtickets jetzt auch Online-Shops für Unterhaltungselektronik scharf kritisiert. Nach Untersuchungen der EU vom Mai dieses Jahres müssen Käufer von Elektrowaren im Web regelmäßig damit rechnen, über den Tisch gezogen zu werden. Das gilt für mehr als die Hälfte der Online-Händler für PCs, Notebooks, Digitalkameras, Handys, DVD-Player usw.: 203 von 369 der Betreiber solcher Websites machen demnach keine, irreführende oder explizit falsche Angaben über die Rechte der Käufer.

Genauso fehle es, so die EU-Kommissarin für Verbraucherfragen Meglena Kuneva, an korrekter Aufklärung über Preise und exakten Angaben über die Händler. Bei den Preisen wurde besonders angemahnt, dass nicht erkenntlich sei, welche Extrakosten noch zu den Produktpreisen hinzukämen, bevor der Einkauf im Online-Shop abgeschlossen wird. Außerdem werde in vielen Fällen „vergessen“, den Kunden auf kostenlose Rückgaberechte innerhalb einer gesetzlichen Frist von sieben Tagen hinzuweisen. Auch bei den gesetzlich vorgeschriebenen Garantiezeiten werde gemogelt.

EU-Kommissarin Meglena Kuneva: Über die Hälfte der europäischen Online-Shops für Elektronik verletzen Verbraucherrechte.
EU-Kommissarin Meglena Kuneva: Über die Hälfte der europäischen Online-Shops für Elektronik verletzen Verbraucherrechte.

Unter den 369 Webseiten in 26 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen und Island befanden sich laut Kuneva 200 der größten Online-Shops. Über 100 solcher Shops für Elektronik lagen bereits Klagen von Konsumenten vor. Nationale Konsumentenschutzorganisationen sollen sich nun um die Einhaltung der Verbraucherrechte kümmern. Namen der fragwürdigen Verkäufer wurden bisher nicht genannt, außer zehn Sites in Island (darunter www.vodafone.is) und drei in Norwegen (darunter www.pixmania.com). In Deutschland traten bei 21 von 29 untersuchten Online-Shops Unregelmäßigkeiten auf.

EU-Kommissarin Kuneva betont, dass Geldstrafen oder letztlich die Schließung einer beanstandeten Website ausgesprochen werden könnten. Immerhin kaufen etwa 150 Millionen EU-Bürger regelmäßig im Web ein, das sind ein Drittel der gesamten Bevölkerung. So wurden allein im Jahr 2007 laut EU in Europa Elektronikartikel im Wert von 6,8 Milliarden Euro verkauft.