Zeitarbeit

Experten auf Zeit

04. März 2005
Von Birgit Obermeier
Zeitarbeitsfirmen stocken ihre IT-Personal-Ressourcen auf. Denn trotz leichter wirtschaftlicher Belebung zögern CIOs noch mit neuen Festeinstellungen - und setzen lieber auf flexible Arbeit.

Die Durststrecke scheint überwunden: Im vorigen Jahr haben sich die Auftragsbücher der Hard- und Softwarehersteller gut gefüllt, für 2005 rechnet der Branchenverband Bitkom mit einem Wachstum von 3,4 Prozent. Viele Unternehmen zögern jedoch noch, das Ende des Investitionsstaus mit der Einstellung neuer IT-Fachkräfte zu beantworten. Die Erinnerung an die jüngsten Entlassungswellen ist noch frisch.

Viele CIOs greifen stattdessen auf flexible Personalressourcen zu - seien es Freelancer, IT-Berater, Outsourcing-Partner oder verstärkt auch Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen. "Wir spüren seit Anfang 2004 eine deutliche Belebung", sagt Christina Mankus, Leiterin des Geschäftsbereichs IT bei der DIS AG. Bereits im Jahr davor erzielte die Offenbacher Zeitarbeitsfirma mit der Überlassung von IT-Fachkräften 14,5 Millionen Euro und damit knapp sieben Prozent ihres Umsatzes. Einen vergleichbaren Anteil trägt beim Frankfurter Wettbewerber Manpower die Sparte Elan IT ReSources am Ergebnis. Der in Eschborn ansässige Marktführer Randstad will seine derzeit rund 700 IT-Mitarbeiter bis Mitte 2005 um 30 Prozent aufstocken.

Steigender Bedarf an Outtasking

Obgleich lange Zeit als Beschäftigungsform für Minderqualifizierte geschmäht, erlebt Zeitarbeit zurzeit einen Boom. "Mittlerweile ist sie auch im IT-Bereich interessant geworden", weiß Hartmut Lüerßen, Geschäftsführer der Lünendonk GmbH in Bad Wörishofen. In anderen Branchen dient Zeitarbeit als Puffer in Urlaubszeiten oder zur Abdeckung von Auftragsspitzen. Nicht so in der IT. Vielmehr gehe es um "Outtasking" - die Ausgliederung einzelner Prozesse, so Werner Kubosch, Geschäftsführer von Elan IT Resources. Anders als beim OutsourcingOutsourcing werden keine Mitarbeiter ausgelagert, sondern Arbeitskräfteleihweise ins Haus geholt, etwa für den Rollout einer Software. Für manche Kunden übernehmen die großen Zeitarbeitsfirmen auch dauerhaft Aufgaben, etwa das User Helpdesk. Alles zu Outsourcing auf CIO.de

Möglich macht dies das seit Anfang 2004 gültige Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Mit ihm fiel die vormals auf zwei Jahre beschränkte Verleihdauer von Mitarbeitern. Gleichzeitig half das Gesetz der für Dumping-Löhne berüchtigten Branche aus der Schmuddelecke: Zeitarbeiter haben nun Anspruch auf die gleichen Arbeitsbedingungen ("equal treatment") und Entlohnungen ("equal pay") wie die Stammbelegschaft eines Unternehmens.

Weil die Lohnanpassung die Margen der Verleiher empfindlich schrumpfen ließ, können sie alternativ einen Tarifvertrag anwenden, den der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) mit den Mitgliedsgewerkschaften des DGB ausgehandelt hat. Er sieht neun Tarifklassen vor. Die höchste - für Tätigkeiten, die einen Hochschulabschluss und mehrjährige Berufserfahrung voraussetzen - wird mit 15,89 Euro pro Stunde vergütet. Für IT-Profis nicht gerade üppig.