Firmen zahlen mehr für Toilettenpapier als für Schulungen

Externe Fortbildung für Manager ein Fremdwort

Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
Unternehmen geben mehr Geld für Bedarfsartikel wie Toilettenpapier aus als für die Fortbildung und Weiterentwicklung des eigenen Managements durch externe Berater. Nach Auffassung des Management Centre Europe (MCE), Anbieter von Lösungen für die Personalentwicklung, ist der Beitrag, den externe Dienstleister für die Personalentwicklung leisten, eher gering. Das lässt sich am Beispiel von Unternehmen aus der Technologie-Branche darstellen.

Europäische Unternehmen erkennen zwar, dass effektive FührungFührung nötig ist um strategische Unternehmensziele zu verfolgen. Jedoch mangelt es bislang an einer konsequenten Aus- und Weiterbildung des Managements. Zu diesem Ergebnis kommt eine MCE-Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Human Resources Institute (HRI) der Tampa Universität. Alles zu Führung auf CIO.de

Laut einer Studie von Saratoga, dem Unternehmenszweig von Pricewaterhouse Coopers (PwC) für Humankapital investierten Unternehmen im Jahr 2003 insgesamt 1,58 Milliarden Euro in die Schulung und Weiterentwicklung von Führungskräften. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 gaben Unternehmen mehr als zwei Milliarden Euro für Toilettenpapier aus.

Für Francis van den Bosch, Geschäftsführer des MCE, ein Widerspruch. Zwar behaupte die Geschäftswelt regelmäßig, dass Menschen ihr wichtigstes Kapital, dennoch investiert sie nur geringe Mittel in externe Dienstleistungen zur Management-Entwicklung. Laut van den Bosch wollten Unternehmen hierbei keine endlosen Business-Theorien, sondern die Management-Entwicklung muss praxisorientiert sowie fokussiert sein. Darüber hinaus müssten die Mitarbeiter frühzeitig auf die Neuerungen vorbereitet werden, damit eine Strategie erfolgreich umgesetzt und Wettbewerbsvorteile maximiert werden können.

Beispiel Technologie-Branche

Daran scheint es bei den Anbietern von Management-Entwicklungen zu hapern. Exemplarisch lassen sich diese Probleme im Technologiesektor nachvollziehen. Der europäische Markt ist mit einer Reihe von Zwängen und Trends konfrontiert. Charakteristisch ist eine zunehmende Innovationsgeschwindigkeit, ein verschärfter Wettbewerb, etwa aus China und Indien, ein verändertes Sales- und Marketing-Umfeld sowie eine Internationalisierung der Lieferketten. Diese untergraben die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und zwingen einzelne Unternehmen dazu, ihre strategische Ausrichtung und die Art ihrer Organisationsstruktur grundlegend zu überdenken.