Netzwerke

Falsch verbunden

17. September 2007
Von Klaus Werle und Sven Böll
Es ist ja auch so einfach: Foto hochladen, Lebenslauf eingeben - schon ist das Profil fertig und das große Spiel namens "Finden und gefunden werden" kann beginnen. Karriereplattformen im Internet boomen. Doch was bringen die selbst ernannten Kontakteturbos wirklich?

Think global, tja, da muss Herr Pilawa doch mal kurz lachen. Klar, Business verändert sich, man muss nur rausgucken, da hinten fing ja früher die Braunkohlegrube an. Garzweiler. Gewaltige Bagger, Old Economy, Vergangenheit.

Die Zukunft der Wirtschaft dagegen, sie ist: digital, vernetzt, kundenorientiert. Und Norbert Pilawa, Anbieter kaufmännischer Dienstleistungen, will dabei sein. Er hat 250 Kontakte beim Online-Businessnetzwerk Xing, sein Aktivitätsindex dort liegt bei 100 Prozent. Und er hat den "Businesstreff Grevenbroich" gegründet. Heute Abend trifft man sich in "Vlados Car Point" am ADAC-Sicherheitszentrum. Es gibt Schnitzel, Pommes und Salat.

Dreizehn Klein- und Kleinstunternehmer sind gekommen, der smarte Werbefachmann ist da, der redselige Leasingexperte und natürlich der nette Herr vom Finanzvertrieb. Die Fliederfarbendichte ist hoch, das Netzwerker-Mantra allgegenwärtig ("Und was machen Sie so?"), und wer im Gegenüber kein Potenzial erkennt, wechselt den Stehtisch schneller als ein Paar nasse Socken. Es ist wie Speed-Dating, nur ohne Sex.

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
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Foto: manager-magazin.de

Von RWE, dem wichtigsten Arbeitgeber der Region, ist leider keiner da; auch nicht von anderen Lokalgrößen wie dem Chipshersteller Intersnack. Für Norbert Pilawa läuft es trotzdem gut: Von einer Grafikerin hat er sich überzeugen lassen, dass der Charme des Selbstgemachten, den seine Website ausstrahlt, ein trügerischer ist - im Gegenzug macht er vielleicht ihre Steuererklärung.