Versäumnisse könnten den Fiskus verärgern

Firmen hinken bei digitaler Betriebsprüfung hinterher

16. Juni 2004
Von Detlef Scholz
Seit Anfang 2002 sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, die Voraussetzungen für eine digitale Betriebsprüfung zu schaffen. Doch mehrheitlich tappen die Unternehmen hier im Dunkeln und riskieren so Ärger mit dem Finanzamt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung des Software-Unternehmens SER Solutions.

Erst jeder dritte Finanzverantwortliche in deutschen Mittelstands- und Großunternehmen verfügt über ausreichend spezifische IT-Kenntnisse, um den gesetzlichen Bestimmungen zur digitalen Steuer- und Betriebsprüfung nachzukommen. Entsprechend selten wurde bereits das dafür notwendige technische Equipment in die IT-Infrastruktur integriert, so die Studie.

Nur wenige Firmen verfügen bislang über das notwendige Equipment für die digitale Steuerprüfung.
Nur wenige Firmen verfügen bislang über das notwendige Equipment für die digitale Steuerprüfung.

Erst jede achte Firma hat bislang die Anforderungen für einen gesetzeskonformen Datenzugriff und die Datenträgerüberlassung erfüllt. Noch weniger Unternehmen (neun Prozent) gibt es, die ihre steuerrelevanten Daten nach dem vom Bundesfinanzministerium empfohlenen Beschreibungsstandard bereitstellen können. Dieser umfasst die Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU).

Der Befragung zufolge speichern 78 Prozent der Unternehmen steuerrelevante Daten in ihrem ERP-System. Außerdem werden sie in etwa jedem fünften Fall in speziellen Speichersystemen wie Magnetbändern und Mikrofilmen aufbewahrt. 13 Prozent der Befragten nutzen elektronische Archivierungssysteme. Diese bieten laut der Umfrage eine Reihe von Vorteilen wie eine zeitlich verkürzte Betriebsprüfung, ohne die Produktivsysteme dafür zu beanspruchen. Außerdem sei es möglich, die Prüfung zu simulieren und somit etwaige Ungereimtheiten im Vorfeld auszuräumen.

Bei den Unternehmen herrscht weit verbreitete Unsicherheit darüber, ob sie den GDPdU-Anforderungen Rechnung tragen können. So können lediglich 39 Prozent aller Finanzverantwortlichen qualitative und quantitative Auswertungsmöglichkeiten über den gesamten möglichen Prüfungszeitraum gewährleisten. Während weitere 43 Prozent meinen, die technischen Erfordernisse wenigstens teilweise zu erfüllen, sieht sich derzeit fast jeder fünfte Betrieb dazu noch völlig außerstande. Bei der Aufbereitung steuerrelevanter Daten für den Fiskus weiter abzuwarten sei jedoch riskant, warnt SER Solutions. Die Finanzverwaltung habe bereits angekündigt, dass sie ihr Recht auf elektronische Prüfungen ausschöpfen wird.

Die digitalen Helfer müssen nun auch bei der betrieblichen Buchprüfung ran.
Die digitalen Helfer müssen nun auch bei der betrieblichen Buchprüfung ran.

An der Umfrage nahmen 688 in Deutschland ansässige Unternehmen teil.

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