Adrian Polaczek, Krauss-Maffei Kunststofftechnik GmbH

Flugzeugbauer in der IT

01. Dezember 2003
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Luft- und Raumfahrtingenieure werden selten IT-Leiter. Adrian Polaczek von der Krauss-Maffei Kunststofftechnik GmbH zählt zu den Ausnahmen. Seine Vergangenheit als Konstrukteur hilft ihm, den Hang der Informatiker zu Individuallösungen zu verstehen - und zu überwinden.
Seit 165 Jahren gibt es die Firma Krauss-Maffei. Seit anderthalb Jahren leitet Adrian Polaczek die IT der Kunststoffsparte.
Seit 165 Jahren gibt es die Firma Krauss-Maffei. Seit anderthalb Jahren leitet Adrian Polaczek die IT der Kunststoffsparte.

Im Büro von Adrian Polaczek ist die Luftfahrt allgegenwärtig. Hinter dem Monitor hängt ein Bild der 728 von Fairchild-Dornier. Gegenüber steuert ein Airbus 340 auf den Betrachter zu. Selbst im Sekretariat dominieren die Flugzeuge an den Wänden. "Die Fotos hatte ich aber schon, bevor Herr Polaczek kam", sagt die Sekretärin, die offensichtlich den passenden Chef gefunden hat. Polaczek hat ihre Sammlung nur um die Dornier 328 ergänzt, ein Flugzeug, an der er selbst als Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik mitgebaut hat.

Seit anderthalb Jahren arbeitet der Flugzeug-Fan nun als IT-Leiter in einem Unternehmen, das nichts mit Luftfahrt zu tun hat. Krauss-Maffei Kunststofftechnik stellt Maschinen her, die Kunststoff zu komplexen Bauteilen verarbeiten, CDs und DVDs pressen oder Rohre, Profile und Folien ziehen. Polaczek hat sich mit den Spritzgieß-, Reaktions- und Extrusionsmaschinen angefreundet: "Es ist zwar faszinierend, wenn Sie draußen beim Erstflug eines neuen Flugzeugs dabei sein können", resümiert der ehemalige Interims-CIO von Fairchild-Dornier, der bereits vor dem Konkurs zur Krauss-Maffei Kunststofftechnik wechselte. "Aber es ist nicht weniger spannend, wenn Sie in der Fertigung miterleben, wie Maschinen für komplexe Anforderungen entstehen und wie oft Ihnen die darauf hergestellten Bauteile im Alltag über den Weg laufen. Da betrachten Sie ein Auto mit ganz anderen Augen." Dass in seinem Zimmer bislang die Flugzeugbilder überwiegen, liegt daran, dass Doppelschneckenextruder oder Mischkopfmanipulatoren nicht so fotogen sind. Aber Polaczek ist sicher, demnächst auch in seinem neuen Unternehmen sehenswerte Exponate für sein Büro zu finden.

Lokomotiven, Panzer, Rechenzentren

Auf dem Werksgelände in München-Allach gibt es einige gute Motive: Ein paar Hallen hinter Polaczeks Büro entstehen Lokomotiven. Drüben, auf der anderen Seite der Krauss-Maffei-Straße, warten und entwickeln Mitarbeiter der Krauss-Maffei Wegmann GmbH und Co. KG Panzer. Historisch bedingt betreibt die Kunststofftechnik dort im Keller ihr RechenzentrumRechenzentrum. In den nächsten Monaten wird aber die Bindung an die Kollegen der Wehrtechnik weiter nachlassen. Die RZ-Mitarbeiter ziehen gerade bei Krauss-Maffei Wegmann aus, obwohl sie weiterhin IT-Dienste für das Rüstungsunternehmenerbringen. Polaczek will seine IT komplett in einemGebäude innerhalb des eigenen Geländes haben, um den Zusammenhalt mit der Kunststofftechnik zu fördern. Das Rechenzentrum soll mittelfristig ebenfalls in eigene Räumlichkeiten einziehen. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Wer für welche Firma entlang der Krauss-Maffei-Straße arbeitet, ist spätestens seit dem Auftreten von Siemens und Mannesmann in der 165-jährigen Firmengeschichte nicht einfach zu durchschauen. Die Krauss-Maffei Kunststofftechnik gehört zur Mannesmann Plastic Machinery GmbH (MPM), dem weltweit größten Hersteller von Kunststoff-Spritzgießmaschinen, und die wiederum zur Finanzholding Kohlberg, Kravis and Roberts (KKR). Für Polaczek heißt das, dass er gelegentlich in eine, wie er es nennt, Sandwich-Position gerät: "Als IT sitzen Sie immer dazwischen, wenn sich Holding und GmbH nicht einig sind."

Arbeiten ohne offizielle Strategie

Adrian Polaczek (41)
Adrian Polaczek (41)

Der Entwurf für eine einheitliche IT-Strategie des Konzerns steht zwar, bislang hat man sich jedoch noch nicht durchringen können, diese auch zu verabschieden.Solange der Konzern eine Mehrmarkenstrategie fährt und die sechs Marken der MPM gehalten sind, selbstständig am Markt zu operieren und auch ihr Ergebnis ohne fremde Hilfe zu erreichen, möchte sich keiner der operativ Verantwortlichen allzu sehr in das Tagesgeschäft hineinregieren lassen.