Kienbaum-Gehaltsstudie

Frauen holen beim Gehalt auf

27. März 2013
Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Noch haben Frauen in Deutschland das Nachsehen, was das Gehalt betrifft. Aber vor allem die weiblichen Führungskräfte holen auf.

Gerade ist der - falsch berechnete, daher eher nur mit Symbolcharakter behaftete - Equal Pay Day mit seinen traurigen Nachrichten vorbei: Im Schnitt verdienen Frauen 22 Prozent weniger als Männer. Auch diese Rechnung ist teilweise fragwürdig: So arbeiten Frauen deutlich häufiger in nicht qualifizierten Minijobs und werden schon deshalb insgesamt schlechter entlohnt. Festzuhalten bleibt: Frauen verdienen einfach weniger, auch weil sie seltener in Führungspositionen aufsteigen. Aber die Damen holen langsam auf, so eine Studie der Managementberatung Kienbaum.

Mit der Gesamtsituation unzufrieden

In der Gesamtsituation, so die Studie, "ist eine deutliche Verbesserung zu erkennen". Frauen holen also langsam auf. Auf Geschäftsführungsebene klingt das erst mal noch nicht so berauschend, hier verdienen Frauen ganze 15 Prozent weniger als die Herren. Zudem "liegt der Frauenanteil auf dieser Hierarchieebene lediglich im einstelligen Prozentbereich", heißt es in der Studie. Klingt wenig? Nicht doch: "Zu den Zu den Geschäftsführergehältern liegen keine Daten aus 2007 und 2002 vor, weil der Frauenanteil damals noch sehr niedrig war", gibt Kienbaum auf Anfrage bekannt. Insofern muss man schon den niedrigen Prozentbereich als Fortschritt bezeichnen.

Nur wenig besser sieht es auf einer Management-Ebene darunter aus: Direkt an die Geschäftsleitung berichtende Frauen verdienen 12 Prozent weniger als ihr männliches Pendant. 2007 lag der Vergütungsabschlag bei 13 Prozent, vor zehn Jahren sogar bei 15 bis 20 Prozent. Insgesamt ist der Abstand hier also kleiner geworden, auch wenn natürlich eine Gleichbehandlung noch lange nicht in Sicht ist. Viele Klagen über die Nachteile müssen sich die Männer trotzdem nicht anhören: Auch hier liegt der Frauenanteil bei nur 13 Prozent.

Woran es liegt

Eine Absicht wollen die Berater von Kienbaum angesichts dieser Gehaltskluft keinem unterstellen. "Dass die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bewusst einer diskriminierenden Personalstrategie entspringt, ist nicht anzunehmen", glaubt Alexander von Preen, Studienleiter bei Kienbaum. Viel eher liegt es wohl an der Familienpolitik und Strukturen am Arbeitsmarkt.