Innovation

Freiraum für glückliche Zufälle

08. Oktober 2013
promovierte in Erwachsenenbildung über das Training professioneller Intuition. Er arbeitet seit dem Jahr 2003 als freiberuflicher Berater, Trainer, Coach und Speaker mit dem Schwerpunkt unternehmerischer Entscheidungen und Managementinnovation.
Weiteres zur Person auf www.a-zeuch.de sowie www.crowdintuition.de.
W. L. Gore ließ einen Mitarbeiter haltbare Bowdenzüge entwickeln - und erlangte dadurch die Marktführerschaft für Gitarrensaiten. Andreas Zeuch über Möglichkeitsräume.
Andreas Zeuch ist freiberuflicher Berater, Trainer, Coach und Speaker.
Andreas Zeuch ist freiberuflicher Berater, Trainer, Coach und Speaker.
Foto: Dr. Andreas Zeuch

Ich weiß nicht, ob Sie das durch und durch innovative Unternehmen W. L. Gore kennen. Aber sicherlich kennen Sie Gore-Tex, eines seiner weltweit erfolgreichsten Produkte. Das Gewebe wird in Jacken und Schuhen verbaut, so dass wasserdichte aber dampfdurchlässige Produkte entstehen, die wir alle mittlerweile schätzen.

W. L. Gore stellt aber noch weitaus mehr her, auch in völlig anderen Marktsegmenten. Die Erfolgsgeschichte eines Produktes illustriert das, was ich in dieser Kolumne als "Möglichkeitsräume" vorstelle und kurz erläutere.

Bei W. L. Gore gibt es die "Steckenpferdzeit": Die Mitarbeiter dürfen bis zu 20 Prozent ihrer Arbeitszeit, also bei einer 5-Tage-Woche bis zu einem Arbeitstag, in die Vorbereitung und Durchführung eigener, selbstgewählter ProjekteProjekte investieren. In diesem Möglichkeitsraum dürfen die Mitarbeiter ihren Leidenschaften nachgehen und kreativ sein. Sie müssen nicht wie sonst ihre täglichen Aufgaben abarbeiten. Alles zu Projekte auf CIO.de

Auf diese Weise entstand unter anderem ein äußerst erfolgreiches Produkt: Ein Mitarbeiter wollte als leidenschaftlicher Fahrradfahrer eigentlich teflonbeschichtete Bowdenzüge entwickeln, die einerseits nicht so schnell rosten und andererseits besser über Kanten gleiten, an denen sie umgelenkt werden. Die Idee klang gut, konnte aber nicht realisiert werden. Stattdessen wurde die Idee geboren, Gitarrensaiten mit Teflon zu ummanteln. Der Sinn bestand darin, dass sie dann länger brillant klingen als die marktüblichen, aus Metall gewickelten Saiten. Denn in den kleinen Rillen der bis dahin gängigen Seiten sammelte sich schnell eine Mischung aus Staub, Schweiß und Hautpartikeln, die dazu führt, dass die Saiten bald die Brillanz Ihres Klanges einbüßen und häufig gewechselt werden müssen.

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