Die wöchentliche CIO-Kolumne

Freud und Leid

26. August 2002
Heinrich Seeger arbeitet als IT-Fachjournalist und Medienberater in Hamburg. Er hat über 25 Jahre IT-journalistische Erfahrung, unter anderem als Gründungs-Chefredakteur des CIO Magazins. Er entwickelt und moderiert neben seiner journalistischen Arbeit Programme für Konferenzen und Kongresse in den Themenbereichen Enterprise IT und Mobile Development, darunter IT-Strategietage, Open Source Meets Business, droidcon und VDZ Tech Summit. Zudem gehört er als beratendes Mitglied dem IT Executive Club an, einer Community von IT-Entscheidern in der Metropolregion Hamburg.
Für den Mittelstand haben die Anbieter von IT-Services und -Support laut einer aktuellen Gartner-Umfrage bislang zu wenig zu bieten: Zu oft offerieren sie Technik von der Stange statt Lösungen. Deshalb, so die Forscher, müssten sie die Konkurrenz von Hard- und Software-Anbietern fürchten, die sich zunehmend mit Komplettangeboten in diesem potenziell lukrativen Markt breitmachten. - Profitieren könnten mittelständische IT-Kunden mit Stehvermögen.
Heinrich Seeger, Chefredakteur CIO
Heinrich Seeger, Chefredakteur CIO

Für IT-Dienstleister, die über schlechte Geschäfte klagen, haben die Marktforscher von Gartner Dataquest eine Nachricht. Ob es eine gute oder schlechte ist, dürfte davon abhängen, wie sich die Anbieter von Service und Support künftig positionieren. Dass sie anders auf die angespannte Marktlage reagieren müssen als bisher, ist für Gartner eine ausgemachte Sache. Im Vordergrund der Anstrengungen, empfehlen die Technologie-Gurus, sollte ein bisher vernachlässigtes Segment stehen: der Mittelstand. Sonst würden die Geschäfte dort von Hard- und Software-Anbietern gemacht; die stünden nämlich parat, diesen wachsenden Markt mit IT-Dienstleistungen zu versorgen.

Ob sie die Kompetenz dafür haben oder nicht, spielt vom gegenwärtigen Standpunkt keine Rolle. Denn auch Service- und Support-Anbieter weisen die erforderliche Mittelstandskompetenz bei ihren Kunden allzu oft nicht nach - so sie sie denn besitzen. Ein harsches Urteil, das die Branchenbeobachter da mit Blick auf Deutschland, Großbritannien und Frankreich fällen.

Was machen die IT-Dienstleister falsch? Laut einer Umfrage unter 275 IT-Entscheidern im März und April dieses Jahres ( European Small and Midsize Businesses: Infrastructure Support, 2002 ) verwenden sie nicht genug Mühe darauf, ihre Angebote auf die mittelständische Zielgruppe zuzuschneiden. Stattdessen würden Service Levels für Großunternehmen einfach etwas abgespeckt, und es werde versucht sie den kleineren Kunden zu verkaufen.

Dass das nicht klappen kann, dafür führt die Studie mehrere Gründe an: Zum einen sei die Technologie im Mittelstand nur selten auf dem aktuellsten Stand. Fast zwei Drittel aller kleinen und mittelgroßen Unternehmen verwendeten gegenwärtig zum Beispiel ältere Betriebssoftware, etwa Windows 98 oder sogar 95.

Zweitens seien die IT-Teams mit durchschnittlich 4,4 Kräften zu dünn besetzt, um eine große Anzahl von Awendungen produktiv zu halten. Das müssen dann Dienstleister erledigen, zu konservativ kalkulierten Preisen freilich. Einschlägige Service-Offerten berücksichtigen das jedoch nicht.

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