Wie Wirtschaftsstrafverteidiger arbeiten

Führungskräfte vor dem Knast bewahren

05. Oktober 2009
Von Eva Buchhorn
Ob Siemens, Telekom oder Bahn - spektakuläre Ermittlungsverfahren gegen Manager häufen sich. Für die Manager geht es dabei um alles, bis hin zum Knast. In Deutschland gibt es eine kleine, feine Gruppe hochkarätiger Anwälte, die versuchen, Führungskräfte rauszuboxen.

Ungewöhnliche Live-Bilder unterhielten am Morgen des 14. Februars 2008 die Zuschauer des ZDF-Frühstücksfernsehens: Ermittler der Staatsanwaltschaft Bochum und Polizisten betraten die Villa des damaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel.

Die Durchsuchung war noch in vollem Gange, als gegen zehn Uhr eine von einem Chauffeur gesteuerte Limousine mit Frankfurter Kennzeichen vor der Villa hielt, ein Herr im dunklen Zweireiher einen mürrischen Blick in die Kameras warf und ebenfalls in Zumwinkels Anwesen verschwand. Später verließen sie den Ort des Geschehens gemeinsam: Vorn Hanns Feigen (60), Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Wirtschaftsstrafverteidigung, hinter ihm der an diesem Tag besonders blasse Post-Manager.

Feigen und Zumwinkel lernten sich an diesem Tag kennen. Seither verbindet die beiden eine schicksalsschwere Beziehung: Zumwinkel hat sich in strafrechtliche Ermittlungen verstrickt. Feigen bemüht sich, ihn wieder herauszuholen. Im Prozess wegen Steuerhinterziehung riet er seinem Mandanten zu einem umfassenden Geständnis. Zumwinkel tat wie geheißen und kam mit zwei Jahren Haft auf Bewährung davon.

Jetzt muss Feigen wieder ran. Sein Mandant wird auch in der Telekom-Spitzelaffäre zu den Beschuldigten gezählt. Die Schlüsselfigur der Affäre, ein ehemaliger Mitarbeiter der Telekom-Konzernsicherheit, verweist auf Zumwinkel: Er sei's gewesen, er habe - gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke - die Spitzelaktionen in Auftrag gegeben.

Foto: manager-magazin.de

Dieser Artikel erschien bei manager-magazin.de

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