"Mit einem Cockpit IT besser darstellen"

Fünf Fragen, ein CIO

12. August 2009
Von Christa Manta
Mit Business Intelligence kann die IT nicht nur andere Unternehmensbereiche bedienen, sondern auch PR in eigener Sache machen, sagt Peter-Hermann Möller, CIO bei den Hannoverschen Verkehrsbetrieben. Denn IT-Systeme würden hauptsächlich dann wahrgenommen, wenn sie ausfallen.
Peter-Hermann Möller, CIO der Hannoverschen Verkehrsbetriebe, hätte gerne mehr Zeit, um auch über den übernächsten Schritt nachzudenken.
Peter-Hermann Möller, CIO der Hannoverschen Verkehrsbetriebe, hätte gerne mehr Zeit, um auch über den übernächsten Schritt nachzudenken.


1. Welches Thema aus dem Bereich BI fasziniert sie gerade?
Möller: Wir sind gerade dabei, ein so genanntes IT-Cockpit aufzubauen. Das heißt, wir wollen die KPIs (Key Performance Indicators) zum operativen IT-System erfassen und darstellen. Wir analysieren Auffälligkeiten, Störungen und wie wir unsere Systeme besser instand halten können. Ganz wichtig ist, dass diese Kennzahlen auch die Verfügbarkeit unserer Systeme anzeigen. Denn die Verfügbarkeit ist für das subjektive Wohlbefinden der Mitarbeiter mit der IT entscheidend. Es ist doch so: In Ruhezeiten mag die Unternehmens-IT zwar eine Verfügbarkeit von 96 Prozent haben, in Erinnerung bleiben den Mitarbeitern aber meistens die Ausfälle. Mit einem Cockpit können wir uns als IT besser darstellen. Das ist wie Eigen-PR für unsere Abteilung.

2. Welches Thema bereitet Ihnen Kopfschmerzen?
Möller: Die meisten Fragen stellen sich derzeit im Bereich ComplianceCompliance. Das ist zwar grundsätzlich ein alter Hut, denn das Thema ist schon seit 2001 aktuell. Doch jetzt kommen von den Revisoren der Wirtschafts- oder Steuerprüfung die inhaltlichen Nachfragen. Das Problem mit der Compliance ist, dass verschiedene Abteilungen wie Finanzabteilung, Rechtsabteilung oder Controlling auch unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie man die Vorgaben am Besten einhält. Die Diskussion darüber, was erforderlich und notwendig ist, wird mit unterschiedlichen Argumenten und von unterschiedlichen Standpunkten aus geführt und mittendrin steckt die IT mit ihren flankierenden Prozessen. Alles zu Compliance auf CIO.de

3. Wie sieht Ihr Job in 20 Jahren aus?
Möller: Wenn ich das wüsste, würde ich in Berlin sitzen und Frau Merkel beraten (lacht). Ich glaube, dass eine Prognose, die über fünf Jahre hinausgeht, nicht mehr vertrauenswürdig ist. Mit Sicherheit werden wir noch mehr Raum und Zeit überwinden, alles wird kleiner und feiner und die Arbeit immer spezialisierter. Ich persönlich sehe mich in zwanzig Jahren als freiberuflicher Berater in der EDV. Ich bin dann zwar schon in Rente, kann mir aber nicht vorstellen, dass ich meinen Beruf nicht mehr ausüben werde. Trotz aller Schwierigkeiten ist die IT nämlich auch meine Berufung.

4. Welches Buch lesen Sie gerade beruflich? Und privat?
Möller: Für den Beruf lese ich gerade "IT-Unternehmensarchitektur: Von der Geschäftsstrategie zur optimalen IT-Unterstützung" von Wolfgang Keller. Der Autor beschreibt zum Beispiel, wie man seine IT-Organisation auch prozessorientiert ausrichten sollte.

Privat lese ich gerade zwei Bücher. Zum einen ist das "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele" von Richard David Precht. Der Autor beantwortet darin Fragen wie: Was treibt den Menschen an? Wo kommt er her und wo will er hin? Elke Heidenreich sagte in ihrer Buchbewertung, Prechts Buch müsse man unbedingt lesen. So weit würde ich nicht gehen. Man muss schon auch die Muße dafür haben und sich für philosophische Fragen interessieren.

Das zweite Buch ist ein Krimi von unserem ehemaligen Tagesthemensprecher Ulrich Wickert. Er heißt "Ein Richter aus Paris" und ist sehr spannend. Wickert überzeugt als großer Frankreichfan und als origineller Buchautor.

5. Wofür hätten Sie gerne mehr Zeit?
Möller: Zum Nachdenken. Beruflich hätte ich gerne mehr Ruhe, um mir Abseits von der Alltagshektik auch den übernächsten Schritt zu überlegen. Und Privat hätte ich gerne mehr Zeit für meine Hobbies, zum Beispiel für das Segeln oder Fahrradfahren.