In welche Produkte das Geld geht

Furioser Anstieg der IT-Ausgaben

04. August 2010
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Um 8,6 Prozent zieht der weltweite IT-Markt nach Einschätzung von Forrester 2011 an. Schon in diesem Jahr geht fast überall rasant aufwärts. Nur West- und Mitteleuropa hinkt im regionalen Vergleich hinterher.
Der europäische IT-Markt: Diese Darstellung in Euro sieht für dieses Jahr etwas freundlicher aus als die Erhebung in Dollar.
Der europäische IT-Markt: Diese Darstellung in Euro sieht für dieses Jahr etwas freundlicher aus als die Erhebung in Dollar.

Früher, als das Osmanische Reich allmählich verfiel, sprach man in Europa vom „kranken Mann am Bosporus“. Heute, im Sommer nach der südeuropäischen Schuldenkrise, scheint ganz Euro-Land krank zu sein, während am östlichen Rand des Kontinents ein junges Kraftzentrum entsteht. Die Lektüre der aktuellen Forrester-Erhebung zum weltweiten IT-Markt mit relativ bescheidenen Zahlen für das „alte Europa“ gibt solchen Gedanken jedenfalls Nahrung – zumindest auf den ersten Blick.

Analyst Andrew Bartels berichtet als Autor der Studie von furiosen Zahlen aus den USA auch im kommenden Jahr und von positiven Entwicklungen überall sonst auf der Welt – außer in hiesigen Gefilden. Die singulären Schuldensorgen bescherten West- und Mitteleuropa die niedrigste in US-Dollar gemessene Wachstumsrate, schreibt Bartels.

In Zahlen heißt das, Währungsschwankungen miteingerechnet: in diesem Jahr ein Zuwachs der IT-Ausgaben von Firmen und Regierungsorganisationen von bescheiden 2,2 Prozent gegenüber 9,9 Prozent in den USA oder 8,7 Prozent in Lateinamerika; 2011 in West- und Mitteleuropa 7,4 Prozent – zu vergleichen mit 8,1 Prozent in den USA und 13,2 Prozent in Lateinamerika.

Den europäischen IT-Anbietern empfiehlt Forrester da nachdrücklich, sich in Richtung der neuen Märkte in Osteuropa und im Mittleren Osten oder in die ebenfalls stärker wachsende Region Asien-Pazifik zu orientieren. Denn der Heimatmarkt gebe offenbar wenig her, und auf nordamerikanischem Terrain sei für Auswärtige schwer zu bestehen.