Kommentar aus der CIO-Community

Ganzheitlich denkende Firmen brauchen keinen CDO

16. Dezember 2014
Bernd Hilgenberg ist Vorstand Entwicklung und Technik bei der SHD AG in Andernach.
Schon wieder wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Das hießt, ein vermeintlich neues Tätigkeitsfeld wurde entdeckt und eine neue Stelle geboren: der CDO, der Chief Digital Officer. Er soll als Verantwortlicher für die Bündelung aller digitalen Themen in einem Unternehmen sorgen – und zwar als separate Stelle in der Geschäftsleitung. Gleichzeitig damit verbunden ist wieder einmal die Frage, ob der CIO noch benötigt wird.
Bernd Hilgenberg, CTO der SHD AG
Bernd Hilgenberg, CTO der SHD AG
Foto: Bernd Hilgenberg

Wie oft schon wurde die Frage nach der Zukunft des CIO gestellt? Angekündigt wurde der Wandel vom CIO zum CPO (Chief Process Officier). Dann wurde die Bedeutung des CIO als Chief InnovationInnovation Officer umgedeutet. Das sind nur zwei Beispiele aus den Diskussionen der jüngsten Vergangenheit. Gern nimmt man Innovationen oder aktuelle Trends zum Anlass, um die Rolle des Gesamtverantwortlichen für ITRolle des Gesamtverantwortlichen für IT entweder umzuinterpretieren oder im Sinne der Arbeitsteiligkeit zu zergliedern. Alles zu Innovation auf CIO.de Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Arbeitsteilig vorzugehen mag dann sinnvoll sein, wenn die Größe eines Unternehmens eine Verteilung der Arbeit auf verschiedene Verantwortungsbereiche erzwingt, weil die anfallende Arbeit sonst nicht erledigt werden könnte. Dass SAPSAP und andere Konzerne dieser Größenordnung einen CDO als separate Stelle schaffen, könnte also sinnvoll sein. Daraus jedoch die generelle Notwendigkeit für solch eine Position abzuleiten ist zumindest diskussionswürdig. Alles zu SAP auf CIO.de

Die Verantwortung zu einem Thema, das in sich zusammengehört, soll auch immer an einer Stelle im Unternehmen zusammenlaufen. Deshalb muss die IT in einem Unternehmen auch ganzheitlich betrachtetet werden.

Wo bleibt der CCRO?

Zugegebenermaßen werden die Verflechtungen innerhalb der IT immer komplexer und vielschichtiger. Auch nimmt der Einfluss der IT auf das Business stetig zu. Aber die Konsequenz kann doch nicht sein, die Gesamtverantwortlichkeit für die IT ständig in Frage zu stellen. Hat man je gehört, dass dem CFO eine separate Stelle für Digital Payment an die Seite gedichtet wird? Wie wäre es mit einem Chief Controlling Officer? Oder einem CCRO, sprich Chief Customer Relationship Management Officer - wo doch gerade die Beziehung zum Kunden als eine der wichtigsten in jedem Unternehmen definiert wird?

Die Diskussionen um neue CXOs in der Geschäftsleitung zeigen doch nur ein: Die Rolle der IT wird noch immer nicht ganzheitlich gesehen. Bestrebungen, die Rolle des Gesamtverantwortlichen arbeitsteiliger zu gestalten gibt es offenbar nur in der IT, aber nicht in anderen Bereichen des Unternehmens. Dort ist das Selbstverständnis einfach ein anderes. Die IT sucht anscheinend immer noch nach weiteren Legitimationen, die ihre Wichtigkeit untermauern sollen.

Die dem CDO zugesprochenen Aufgaben sind sicher wichtig und richtig. Jedoch sollte der CIO diese Themen ganz selbstverständlich auf seiner Agenda haben.

In meiner Rolle als CTO (Chief Technology Officer) bin ich manchmal auch als Chief Translation Officer unterwegs, vor allem, wenn es darum geht, neue Technologien erklärbar zu machen. Zuweilen könnte man mich auch als Chief Transformation Officer bezeichnen, wenn ich Veränderungsprozesse in Organisationen begleite. Aus diesen unterschiedlichen Rollen und Erwartungen jetzt gleich wieder neue CXO-Positionen herzuleiten halte ich allerdings für Unfug.

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Dirk Lickschat

Zumindestens sollte es ein Vertrauter und Berater der klassichen Geschäftsführung sein. Wenn nicht sogar ein Vorstandmitglieder der sich täglich über sämtliche digitalen Prozesse informiert und Empfehlung weitergibt oder auch mal zu eingefahrenen "langsamen" Prozessen ganz klar "nein" sagt. Oft werden die verlangsamten Prozesse nur genommen, weil man das ja schon immer so gemacht hat!

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