Strategien


14 Lösungen im Test

Gartner-Ranking Client-Management-Tools

08. Oktober 2014
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Landesk, IBM und Absolute Software schneiden relativ gut ab. Doch die Analysten warnen: Die allein seligmachende Lösung gibt es nicht.
"Organisationen sollten Client Management Tools auswählen, die am besten ihren spezifischen Anforderungen und Ressourcen entsprechen", empfiehlt Gartner.
"Organisationen sollten Client Management Tools auswählen, die am besten ihren spezifischen Anforderungen und Ressourcen entsprechen", empfiehlt Gartner.
Foto: Gartner

Das obere Regal ist beim Einkaufen immer attraktiv. Zumindest erscheint es so, wenn man nicht zu den Schnäppchenjägern zählt. Die gehen bekanntlich davon aus, die gewünschte Qualität immer auch in günstig zu finden. Für unnötigen Schnickschnack zahlt diese Spezies ungern. Eine gewisse Berechtigung haben sicherlich beide Ansätze - und das gilt auch, wenn man keine Lebensmittel shoppt, sondern ToolsTools fürs Client Management. Alles zu Tools auf CIO.de

Gefahr der teuren Überkomplexität

Gartner kommt in einer aktuellen Studie jedenfalls zu dem Schluss, dass in diesem Segment ein zielgerichteter Kauf unabdingbar ist. "Größer ist nicht immer besser", schreiben die Autoren Kevin Knox und Terrence Cosgrove. Auf Großunternehmen zugeschnittene Tools seien womöglich überkomplex und zu teuer. "Sie verlangen vielleicht mehr Aufwand an Administration, als kleinere Firmen managen können", warnen die Analysten.

Für Mittelständler könnte sich die Schnäppchenjagd in diesem Bereich also lohnen. Großunternehmen hingegen greifen eventuell doch besser in obere Fach. Tools mit dem Mittelstand als Zielgruppe sind nach Beobachtung der Analysten möglicherweise nicht skalierbar genug für den eigenen Bedarf. Oder es fehlt ihnen an benötigten Funktionalitäten. "Organisationen sollten Client Management Tools auswählen, die am besten ihren spezifischen Anforderungen und Ressourcen entsprechen", empfiehlt Gartner.

Vorsicht beim Anbieter-Marketing

Klingt vage, aber keine Sorge: Die Analysten belassen es nicht dabei, sondern liefern ein Ranking der wichtigsten Tools. Die Rangliste und die zugrunde liegenden Bewertungen ermöglichen tatsächlich eine nahezu optimale Orientierung in diesem schwierigen Marktsegment. Mit einem kurzen Blick in die Liste ist es allerdings nicht getan.

Beispielsweise wirbt der Anbieter Absolute Software offensiv mit der Gartner-Studie. Richtig ist, dass die Lösung Absolute Manage in der Tat gut abschneidet - allerdings nur in Teilen. Mit gleichem Recht könnte man die Landesk Management Suite oder vor allen Dingen den IBMIBM Endpoint Manager als Sieger im Ranking nennen - aber auch das gilt nicht umfassend. Alles zu IBM auf CIO.de

Sucht man zum Beispiel nach einem wendigen Auto vor allem für den Großstadtverkehr und legt man Wert auf eine zügige Parkplatzfindung, kauft man besser keine Luxuskarosse. Genau das wäre aber beim Client Management die IBM-Lösung: Alles in allem wohl das Tool mit dem meisten Potenzial, aber eine Überforderung für kleinere Anwender, die besser ohne Nobelausgabe fahren.

14 Lösungen im Vergleich

14 Tools hat Gartner insgesamt untersucht. Bewertet wurden sie jeweils auf einer Skala von 1 bis 5 in acht Kategorien: Patching, Softwareverteilung, Bestandsliste und Softwarenutzung, Skalierbarkeit, Administration und Benutzerfreundlichkeit, kundenspezifische Anpassung, Integration sowie betriebssystemübergreifender Support.

Um das Ranking noch übersichtlicher zu gestalten, haben die Analysten die Bewertungen gewichtet und zu insgesamt vier Use Cases gebündelt. Auf diese Weise ergeben sich vier Ranglisten, die je nach eigener Situation der Anwender relevant sind oder auch nicht (siehe Bildergalerie).

4 Rankings sortiert nach Use Cases

Landesk, IBM und Absolute führen in dieser Reihenfolge die Rangliste "Total Client Management" an, die einem Gesamtranking am nächsten kommt. Der Use Case setzt voraus, dass nach einem einzigen Tool mit möglichst breitem Arsenal an Funktionalitäten gesucht wird. Die weiteren Szenarien rücken ComplianceCompliance und Sicherheit in den Fokus, beleuchten Anwender mit beschränkten Ressourcen sowie wenig Expertise und neben die Eignung für global agierende Großunternehmen unter die Lupe. Alles zu Compliance auf CIO.de

Gewiss handelt es sich bei den vier Use Cases um eine holzschnittartige Bündelung, die für das eigene Unternehmen nicht zutreffen muss. Darum lohnt auch der Blick auf die Bewertungen der einzelnen Lösungen.

IBM bietet die Luxusedition

Der bereits als Luxuskarosse apostrophierte IBM Endpoint Manager trumpft hier mit zwei herausragenden 4,8-Bewertungen auf: Patching und Skalierbarkeit. Sehr gut ist überdies, dass in drei weiteren Kategorien eine 4 vor dem Komma steht: Software Distribution, Customization und übergreifender Support.

Eine derart hohe Qualitätsdichte bietet kein Konkurrent. Dennoch gilt die Kaufempfehlung nur bedingt, denn es bestehen Defizite hinsichtlich der Integrationsfähigkeit. Und 1,8 Punkte für Administration und Benutzerfreundlichkeit sind im Vergleich wirklich schlecht. In dieser Kategorie ist zwar auch die Landesk Management Suite nur unwesentlich besser. Für diese Lösung spricht im Vergleich zu IBM indes die größere Ausgewogenheit, ohne dass die genannten Bestwerte annähernd erreicht werden.

Absolute Manage erfüllt offenkundig andere Kriterien. Sechs von acht Kategorien werden bestenfalls durchschnittlich gemeistert, umso besser sieht es mit dem Cross-Platform Support und vor allem mit der Benutzerfreundlichkeit aus. Eine gute Lösung also für Anwender, die ein Client Management Tool nicht überfordern darf. Ganz ähnlich sieht übrigens das Profil von DellDell Kace aus - ebenfalls ein Werkzeug, das leicht in der Handhabe ist. Alles zu Dell auf CIO.de

Jedes Tool hat Stärken

Überhaupt muss man zum Ranking anmerken, dass jede der 14 Lösungen Argumente auf seiner Seite und damit eine Daseinsberechtigung hat. Bei MicrosoftMicrosoft SCCM etwa verhindert vor allem die weitgehende Bindung ans hauseigene Betriebssystem ein besseres Abschneiden. Überall gut hingegen ist keines der verfügbaren Tools. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Gartner warnt in jedem Fall vor Lösungen, die Anwender innerhalb eines überschaubaren Zeitraums an Ressourcen- und Expertisegrenzen stoßen lassen. Eine regelmäßige Überprüfung von Tools, Prozessen und Richtlinien wird empfohlen. Überdies sollte man Evaluierung und Auswahl von Client Management Tools auf der einen Seite und von Mobile Device Management Tools auf der anderen Seite sauber trennen.

Im Segment der Großunternehmen ist das Wachstumspotenzial des Marktes laut Gartner begrenzt. "Der mittelständische Markt ist dynamischer - mit vielen Erstnutzern und häufigen Wechseln vom einen zum anderen Tools", so Knox und Cosgrove.

Die Studie "Critical Capabilities for Client Management Tools" ist bei Gartner erhältlich.

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