Strategien


CIO-Rolle erneut vor Veränderung

Gartner ruft das algorithmische Business aus

02. Dezember 2015
Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Nexus of Forces und Consumerization waren vorgestern, Digitalisierung ist ebenfalls schon "Second Season". In diesem Jahr ruft Gartner auf seinem europäischen Symposium IT/Expo das "algorithmische Business" aus. Und das bedingt - Überraschung! - auch wieder eine Rollenveränderung für den CIO.

Big DataBig Data bringt nichts. Mit diesem Statement konnte Peter Sondergaard, Senior Vice President Gartner Research, das Auditorium nur noch milde überraschen. Denn inzwischen hat sich das Wort des Jahres herumgesprochen: "Algorithmus". Nicht in den Daten oder ihrer bloßen Analyse liege der Mehrwert, sagte Sondergaard bereits auf dem Gartner-Symposium in Orlando, sondern in der Art und Weise, wie Daten in Aktion umgesetzt werden, also den Algorithmen und darauf basierenden "smarten Agenten". Die werden, so Sondergaard, spätestens 2020 die heute noch üblichen Apps ersetzen. Alles zu Big Data auf CIO.de

Algorithmen - Was soll das denn jetzt? - Diese Handlungsanweisungen für Softwareprogramme kennt die IT-Industrie doch bereits seit Anbeginn ihrer Zeit. Bislang hielt sie außerhalb der Entwicklergemeinde kaum jemand auch nur der Erwähnung wert. Und die sollen jetzt plötzlich eines der wertvollsten Unternehmens-Assets sein?

Ja und nein! Für sich genommen ist auch der Wert eines Algorithmus überschaubar. Entscheidend ist, was die Unternehmen damit anstellen: Geben, nehmen und verbreiten. Und hier kommt der CIO ins Spiel. Er sollte sich und seinen Verantwortungsbereich nicht allein über sein Unternehmen definieren, sondern sich als Teil eines wirtschaftlichen Ökosystems betrachten.

Besser verbreitet als diskret

Für die Algorithmen bedeutet das: Besser, als sie geheim zu halten, ist es, sie zu teilen und dafür zu sorgen, dass sie sich verbreiten. Zwei Beispiele dafür nannte Daryl Plummer, Vice President und Fellow bei Gartner: Der Elektroauto-Pionier Tesla habe seine "Supercharger"-Technik für den Mitbewerb freigegeben, das Investment-Bankhaus Goldman Sachs seinen Handelsalgorithmus veröffentlich - beide in dem Bestreben, einen Standard für die jeweilige Branche zu schaffen: "Auf diese Weise kann es viel lukrativer sein, etwas zu verschenken als es für sich zu behalten", sagte Plummer.