Tigerstaaten entwickeln sich zu Global Playern

Gartner: Unternehmen brauchen "Chindia"-Plan

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
China und Indien verfügen über einige der weltbesten Computer-Experten und werden über kurz oder lang die Führung auf vielen Märkten übernehmen. So lautet, zugespitzt, die These der Harvard Business School. Die Analysten von Gartner hören den Ruf und raten westlichen Unternehmen, rechtzeitig gen Osten zu blicken: Schon 2010 könnten sie in China die Geburt einer IT-Supermacht erleben.

Das Bild "Chindias" als Region billigen Outsourcings ist von gestern, so die Analysten. Ihre Prognose: Schon 2008 wird China beim Generieren geistigen Eigentums mit den Industrie-Nationen gleichziehen - und die USA an der Zahl englisch-sprachiger Menschen überholen. Realistischerweise schränkt Gartner aber gleich wieder ein, die Sprachkenntnisse blieben eine "Herausforderung".

Wenn Chinas Regierung ihre restriktive Haltung aufgibt und stattdessen Unternehmergeist fördert, tritt das Land des Lächelns 2010 mit einem souveränen Grinsen als IT-Leader auf. Westliche Unternehmen sollten sich beizeiten als Partner empfehlen.

Und wer bei Indien den Kalauer von lahmer Logistik, bremsender Bürokratie oder krasser Korruption erzählt, dem empfiehlt Gartner einen Blick auf die Zahlen: Hatte der Subkontinent zwischen 1995 und 1999 noch IT-Services im Wert von rund einer Million US-Dollar exportiert, waren es 2004 dreizehn Milliarden US-Dollar. Die Analysten geben zu Bedenken, dass die große Mehrheit der globalen Fortune-1000-Unternehmen festgestellt hat, dass der Nutzen die Nachteile übersteigt.

"Chindia" kommt

Mit dem Wortspiel Chindia bezeichnet Gartner die ersten Kooperationen zwischen indischen IT-Services-Firmen und ihren chinesischen Gegenstücken. Darin ergänzen sich indische Weltklasse-Expertise und Markführerschaft in einigen Segmenten mit niedrigpreisigem Fachpersonal aus China. Die Chinesen verfügen außerdem über gute Kontakte nach Japan und Korea. Für die Analysten Vorboten einer "formidablen" Entwicklung, die Chindia nehmen könnte.