Finance IT


Western Union in Deutschland

Geldtransfer im Social Web

10. Oktober 2016
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Western Union will den deutschen Markt stärker ins Visier nehmen. Für den Ausbau des internationalen Geschäfts bringen der Finanzdienstleister und CTO John David Thompson die "Connect Platform" in Position.
John David Thompson, CTO, Western Union: "Wir glauben, dass das online genauso sein wird wie im echten Leben. Manchmal haben User zwei Geldbörsen, aber meistens nur eine."
John David Thompson, CTO, Western Union: "Wir glauben, dass das online genauso sein wird wie im echten Leben. Manchmal haben User zwei Geldbörsen, aber meistens nur eine."
Foto: Western Union

Social, Mobile, Analytics und Cloud sind die Treiber für den Finanzdienstleister Western Union. Besonders für den deutschen Markt hält CTO John David Thompson zwei von diesen SMAC-Trends für ausschlaggebend: "Vor allem Social und Mobile sind entscheidend für uns."

Wer Geld über Grenzen hinweg verschicken muss, nutzt die Western Union Company - auch wenn er dafür hohe Gebühren in Kauf zu nehmen hat. Viele Mi­granten verlassen sich bei Geldtransfers in ihre Herkunftsländer auf das Unternehmen. Im Jahr 2015 hat Western Union im Durchschnitt 31 Transaktionen pro Sekunde durchgeführt und 250 Milliarden Dollar für seine Nutzer und Business-Kunden transferiert. Das Unternehmen verfügt über mehr als 500.000 Vertriebsstandorte weltweit. In Deutschland ist der größte Partner die Postbank.

Geldtransfer im Social Web

Western Union würde gerne auf allen Plattformen mitspielen. Seit Oktober 2015 stellt der Finanzdienstleister deshalb seine "Connect Platform" zur Verfügung. Andere Anbieter können über das Application Programming Interface (API) in sozialen Netzen globale Geldtransfers offerieren. Plattformen wie "WeChat", das chinesische Pendant zu WhatsApp, bieten zwar schon seit Langem Bezahlfunktionen an.

In China nutzen die mehr als 760 Millionen User den unkomplizierten Service auch schon rege - nur eben nicht grenzüberschreitend. Für die WeChat-User in den USA springt deshalb seit Ende letzten Jahres Western Union ein. Der amerikanische Anbieter unterstützt 16.000 Korridore, also Verbindungen von einem Land in ein anderes. Zu den Nutzerzahlen konnte sich Thompson allerdings nicht äußern.

Auch die Messaging-Plattform "Viber" nutzt seit Fe­bruar die Western-Schnittstelle. In einer ersten Version können Viber-Nutzer in den USA Dollar zur Abholung bei den weltweiten Western-Agenturen schicken. "Die Connect Platform bietet die Gelegenheit, verbindlichere Beziehungen auf sozialen Plattformen zu schaffen", findet Thompson. Wie viele Amerikaner tatsächlich den Service nutzen, sagte er jedoch nicht. Viber hat laut Statista.com weltweit schon mehr als 750 Millionen User, Branchenprimus WhatsApp mehr als eine Milliarde. Facebook und WhatsApp habe man die Dienste auch schon angeboten, erzählt Thompson, bislang ohne Erfolg.

Kunden wollen nur eine Wallet

Sind mobile Geldbörsen eine Bedrohung für Western Union? "Gar nicht", sagt Thompson. Er sieht die Apple oder Google Wallets als eine Ergänzung des eigenen Service. Kunden können Geld an eine Western-Filiale oder ein Bankkonto überweisen - oder, sofern vorhanden, eben auch auf eine elektronische Geldbörse. Die spannende Frage lautet für den CTO eher: "Wie viele Geldbörsen werden Sie in Zukunft in der Tasche haben? Wahrscheinlich nur eine", meint Thompson: "Wir glauben, dass das online genauso wie im echten Leben sein wird. Manchmal haben User zwei Geldbörsen, aber meistens nur eine." Und da man nicht wisse, welche sich bei den Nutzern durchsetzt, "müssen wir eben überall sein".

Zum Beispiel in Kenia: Die Mobilfunkfirma Safa­ri­com hat dort in Kooperation mit Vodafone das Zahlungssystem "M-Pesa" entwickelt, für das User kein reguläres Bankkonto brauchen. Seit 2007 erfreut sich M-Pesa wachsender Nutzerzahlen. Mittlerweile gibt es nicht nur in Kenia Nachahmer. Thompson nennt als neuesten Partner "bKash" in Bangladesch. Auch dort werden kleinere Beträge über Handys abgewickelt.