Einzelne Player müssen noch zusammenfinden

Gründerzeitstimmung im Mobile Payment

04. November 2013
Von Michael Gneuss
Bezahlen mit dem Smartphone könnte endlich Realität werden. Start-ups entwickeln eifrig neue Lösungen, der Einzelhandel ist bereit zu experimentieren. Doch allein kann es niemand schaffen. Entscheidend wird sein, ob die richtigen Partner zueinander finden.

Amazon ist der neue Wal-Mart und Ebay wird "eher IBMIBM", so stellt sich John Donahoe die Rollenverteilung auf den neuen digitalen Märkten vor. Jedenfalls blickte der Ebay-Chef Anfang des Jahres in die Zukunft und stellte einen revolutionären Umbruch im weltweiten Einzelhandel in Aussicht. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist der Verbraucher, der jetzt zunehmend Smartphone oder Tabletcomputer zum Bezahlen einsetzen werde. Und das könnte enorme Auswirkungen haben, denn die Grenzen zwischen Online- und Einzelhandel lösen sich damit rasend schnell auf und verschwinden bald ganz, vertraute Donahoe dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" an. Alles zu IBM auf CIO.de

Ebay, als Handelsplattform gestartet, sieht sich nun selbst als Technologieanbieter und will in dieser Rolle zum Partner für die Handelsunternehmen werden. Über die Tochter Paypal mischen die Kalifornier bereits kräftig auf dem jungen Markt der mobilen Bezahlsysteme mit. So bietet das Unternehmen zum Beispiel QR-Shopping an. Handy einfach auf den QR-Code eines Produktes halten - zum Beispiel auf einem Werbeplakat - bestätigen und der Einkauf inklusive Zahlung ist vollzogen.

Mit GoogleGoogle gehört ein anderer mächtiger Internet-Gigant zu den Gegenspielern im Wettbewerb. Mit dem NFC-Chip des Handys macht er das Mobiltelefon zur elektronischen Geldbörse. "Google Wallet" heißt das Angebot. Alles zu Google auf CIO.de

Das M-Wallet-Ökosystem in Deutschland
Das M-Wallet-Ökosystem in Deutschland
Foto: GFT Technologies AG

Deutschland ist zwar nicht das Mutterland der Internet-Riesen und damit auch nicht Schaufenster Nummer eins für die neuen mobilen Anwendungen im Zahlungsverkehr, doch auch hierzulande kommt einiges in Bewegung. Das jedenfalls meint Bernd-Josef Kohl, Experte für Mobile Payment beim IT-Dienstleister GFT Technologies. Er beobachtet den Markt seit Jahren und wundert sich schon lange, dass die Entwicklung nicht schneller voranschreitet. Doch jetzt hat sich etwas verändert. "Es ist auffällig, dass viele Start-ups aus der Digitalen Wirtschaft auf sehr unterschiedlichen Feldern mit neuen Ideen und Innovationen im Ökosystem Mobile Payment mitmischen", so Kohl.

So sind hierzulande die Player vor allem Neugründungen wie Sumup oder Payleven aus Berlin oder Mittelständler wie IT-Werke aus dem badischen Lahr. Der 1996 gegründete Dienstleister aus dem Südwesten der Republik ermöglicht Biergärten und Supermärkten, die Kunden über deren SmartphonesSmartphones zur Kasse zu führen. Diese müssen sich lediglich online anmelden, eine App herunterladen, einen QR-Code abfotografieren und schließlich per Pin den Betrag bestätigen, um die Rechnung zu begleichen. Seit April ist die Firma mit der Lösung am Markt. Von jeder Zahlung, die die Kunden auslösen, erhält der Technologieanbieter 0,3 Prozent. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Bernd-Josef Kohl, Manager BU Consulting bei der GFT Technologies AG: "Die neuen Akteure am Markt sind kooperationsbereiter."
Bernd-Josef Kohl, Manager BU Consulting bei der GFT Technologies AG: "Die neuen Akteure am Markt sind kooperationsbereiter."
Foto: GFT Technologies AG

Einen anderen Ansatz verfolgt Sumup. Die Berliner wenden sich an Unternehmer aus dem Kleingewerbe, die bisher aus Kostengründen keine EC- oder Kreditkartenzahlungen annehmen konnten. Das ändert sich mit dem Einsteckmodul für Smartphones und TabletsTablets, das Sumup präsentiert hat. EC oder Mastercard-Daten werden wie bei einem herkömmlichen Lesegerät erfasst und per Hand auf dem Screen unterschrieben. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Payleven, ein anderes Start-up aus der Bundeshauptstadt. Alles zu Tablets auf CIO.de

Die beiden haben eine Idee aufgegriffen, mit der in den USA das Unternehmen Square ins Rampenlicht getreten ist. Mit dem US-Start-up hat Twitter-Mitgründer Jack Dorsey einen weiteren Coup gelandet. Er setzt nicht beim Käufer an, sondern beim Verkäufer, indem er ihm eine Möglichkeit an die Hand gibt, einfach und günstig und überall Karten für Zahlungen anzunehmen. Die Zahl der Unternehmen, die das Modell kopieren, gibt Dorsey nur Recht. In Europa ist iZettle aus Schweden der prominenteste Klon.

In Zukunft werde sein Modell aber unnötig sein, räumt Dorsey ein. Denn die Übertragung von Daten wird noch viel einfacher werden, wenn die Nahfeld-Kommunikation (Near Field Communication / NFC) sich dank NFC-Chips auf den Smartphones durchsetzt. Square-Gründer Dorsey denkt daher längst weiter.

Das macht auch Ben Milne. Sein Unternehmen Dwolla macht den etablierten Zahlungssystemen ebenfalls Konkurrenz. Nutzer können Geld auf ihr Konto bei Dwolla überweisen. Von dort aus bezahlen sie mittels einer Smartphone-App im Café ihren Cappuccino. Dazu müssen sie nur E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder den Twitter-Namen des Empfängers eingeben.