Wachsender Protest

Grütters kritisiert Amazon: "Nicht hinnehmbar"

20. August 2014
Der Schriftsteller-Protest gegen Amazon bekommt Unterstützung aus der Politik. Kulturstaatsministerin Grütters übt deutliche Kritik an den Methoden des Onlinehändlers. Und PEN-Präsident Haslinger schließt weitere Schritte gegen den Internet-Riesen nicht aus.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die Methoden des Onlinehändlers AmazonAmazon auf dem deutschen Buchmarkt ungewöhnlich scharf kritisiert. "Marktmacht und die Herrschaft über zentrale Vertriebswege dürfen nicht dazu führen, dass unsere kulturelle Vielfalt gefährdet wird", erklärte die CDU-Politikerin am Mittwoch. Sie unterstützte damit ausdrücklich den Protestbrief von mehr als 1000 deutschsprachigen Autoren an die Amazon-Spitze. PEN-Präsident Josef Haslinger ist zuversichtlich, dass das Schreiben ernst genommen wird - schließt aber auch weitere Schritte nicht aus. Alles zu Amazon auf CIO.de

Es sei kulturpolitisch "nicht hinnehmbar", wenn der Streit des Onlinehändlers mit den Verlagen zulasten von Autoren und Lesern ausgetragen werde, so Grütters. "Wenn Titel aus Empfehlungslisten gestrichen und Lieferungen verzögert werden, um Rabattforderungen gegenüber Verlagen durchzusetzen, ist dies völlig inakzeptabel." Gerade wenn - wie beim Buch - ein Wirtschaftsgut zugleich auch Kulturgut sei, müsse besonders verantwortungsvoll gehandelt werden.

Die Schriftsteller, darunter prominente Autoren wie Amelie Fried, Christoph Hein, Doris Dörrie, Gaby Hauptmann, Sten Nadolny, Ingrid Noll, Uwe Timm, Ferdinand von Schirach, Günter Wallraff und Juli Zeh werfen dem Unternehmen "Erpressungsmethoden" vor. "Wir fordern Amazon entschieden auf, nicht länger Bücher und damit auch Autoren und Autorinnen als Geiseln zu nehmen, sondern eine lebendige, ehrliche Buchkultur zu gewährleisten", heißt es in dem Schreiben.

Auch der Autor und Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, Josef Haslinger (59), hat unterzeichnet - und zeigt sich optimistisch. "Der Brief wird ernst genommen werden. Der Konzern muss in der Buchbranche um sein Image bemüht sein, er hat ja in Europa einen Zukunftsmarkt, der bei weitem nicht ausgeschöpft ist", sagt er im dpa-Interview. "Wenn Amazon meint, die Praxis beibehalten zu müssen, Autoren für nicht gelungene Geschäftsverträge in Geiselhaft zu nehmen, sind ja durchaus auch noch weitere Schritte denkbar." Auch Autoren könnten Druck machen, schließlich seien sie ein ökonomischer Faktor. (dpa/rs)

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