Grossanlagen von Uhde

Hohe Service-Levels in der Wüste

04. April 2005
Heinrich Seeger arbeitet als IT-Fachjournalist und Medienberater in Hamburg. Er hat über 25 Jahre IT-journalistische Erfahrung, unter anderem als Gründungs-Chefredakteur des CIO Magazins. Er entwickelt und moderiert neben seiner journalistischen Arbeit Programme für Konferenzen und Kongresse in den Themenbereichen Enterprise IT und Mobile Development, darunter IT-Strategietage, Open Source Meets Business, droidcon und VDZ Tech Summit. Zudem gehört er als beratendes Mitglied dem IT Executive Club an, einer Community von IT-Entscheidern in der Metropolregion Hamburg.
Wenige Aufträge in Milliardenhöhe, Projekte in unerschlossenen Gebieten und wechselnde Schnittstellen zu Subunternehmern: Das ist Alltag für den Dortmunder Anlagenbauer Uhde GmbH - alles eine Organisationsfrage.

Düngemittel herzustellen erfordert viel Platz und Energie. Deshalb liegen die Fabriken meist in dünn oder gar nicht besiedelten Gebieten und nahe an Gasvorkommen. Zudem sind die Fertigungsanlagen so komplex und teuer, dass ihre Betreiber Planung, Konstruktion und Bau üblicherweise an Fremdfirmen vergeben, schlüsselfertig zum Festpreis. Nur wenige Anlagenbauer gehen das Wagnis solcher "Lump-sum-Turnkey"-Aufträge ein. Einer von ihnen ist die in Dortmund beheimatete Uhde-Gruppe aus dem Thyssen-Krupp-Konzern.

Jüngstes Projekt in dem von langen Kontraktlaufzeiten, hohen Auftragssummen und ebensolchen Vertragsrisiken gekennzeichneten Orderbuch der Westfalen ist eine Fabrik für Ammoniak und Harnstoff. Sie entsteht im Auftrag der Saudi Arabian Fertilizer Company (Safco) in der Wüste nahe der Industriestadt Jubail. Ab Februar 2006 sollen dort täglich 3300 Tonnen Ammoniak - so viel wie in keiner anderen Anlage weltweit - und 3250 Tonnen Harnstoff produziert werden.

Uhde ist Anlagenbauer. "Es gibt keine Disziplin, die wir nicht haben: Finanzierung, ProjektmanagementProjektmanagement, Chemische Verfahrenstechnik, Elektrotechnik, Rohrleitungstechnik, Maschinenbau und Bauingenieurwesen, Beschaffung, Logistik, Bau- und Montageüberwachung", umreißt Olaf Röper, Bereichsleiter Information Systems, die Leistungen. Auf der Grundlage von meist zugekauften Lizenzen für chemische Verfahren - die Safco-Lizenzen stammen von einem niederländischen und einem norwegischen Unternehmen - werden im Rahmen des "Basic Engineering" am Stammsitz in Dortmund Skalierungen, Optimierungen und lokale Spezifizierungen, Drücke und Temperaturen berechnet. Daraus entstehen "Piping and Instrumentation Diagrams" (PIDs), aus denen die IT eine Apparateliste mit den erforderlichen Pumpen- und Reaktorleistungen ableitet; für Safco gibt es rund 300 PIDs. Alles zu Projektmanagement auf CIO.de

Diese dienen als Vorgaben für das "Detail Engineering", das meist von rund 700 Ingenieuren bei der Tochtergesellschaft Uhde India in Mumbai, teilweise jedoch auch von Subkontraktoren erledigt wird. Hierbei entsteht das dreidimensionale Konstruktionsmodell für die Anlage, mit exakt beschriebenen Pumpen, Reaktoren, Rohrleitungen und Rohrbrücken. 90 000 "Tagged Items" umfasst das Safco-Project. Alle müssen beschafft, elektronisch dokumentiert und logistisch geplant werden. Das hat es in sich: Für manche Komponenten sind die Lieferfristen so lang ("Long lead Items"), dass sie bereits vor dem Beginn des Detail Engineering geordert werden müssen, um den Übergabetermin einer Anlage halten zu können. Dann muss parallel gearbeitet werden, das Grauen schlechthin für Planer: Sie müssen mit unsicheren Annahmen arbeiten, immer wieder sind Synchronisierungen der Entwicklungsarbeiten erforderlich.

Risiko Subkontraktoren

Die liegen zudem nicht in einer Hand. Für jede Komponente lautet die Frage: Wie tief spezifiziert Uhde selbst? "Bei Pumpen ist es klar", so Röper. "Wir geben etwa Förderhöhe und Förderleistung vor; wie die Pumpe im Detail aussieht, entscheidet der Lieferant. Auch beim Stahlbau legen wir nur fest, wo die Rohrleitungen liegen und welche Lasten darin anliegen; der Lieferant detailliert in enger Abstimmung mit uns." Da ist jedes Mal zu entscheiden: Make or buy? - selbst machen oder einkaufen.

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