Hamburger IT-Strategietage


IT-Strategietage

Ifo-Chef Sinn: Vernichtendes Urteil

13. Februar 2012
Von Nicolas Zeitler
Mit harter Kritik an der Euro-Krisenpolitik und einem positiven Ausblick für Deutschland beendete Ifo-Chef Hans-Werner Sinn die Hamburger IT-Strategietage.
Hans-Werner Sinn auf den Hamburger IT-Strategietagen 2012.
Hans-Werner Sinn auf den Hamburger IT-Strategietagen 2012.
Foto: Joachim Wendler

VWL-Vorlesung zum Abschluss der zehnten Hamburger IT-Strategietage: Professor Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, fällte ein vernichtendes Urteil über die derzeitige Strategie gegen die Schuldenkrise in Europa. Mit den derzeit diskutierten Rettungsplänen gebe die Politik den verschuldeten Südländern nach. „Diese Haftung sät Unfrieden“, sagte der Volkswirt. Der Rettungsschirm stütze „künstlich Preise für Immobilien und Staatspapiere“.

Stattdessen hielte er ein „Realignment“ für nötig, eine Neujustierung der Wechselkurse. Deutschland müsste „inflationieren oder die anderen deflationieren“. Wegen der Gemeinschaftswährung sei das aber nicht möglich. Indem die Europäische Zentralbank nun Geld „in den Süden“ liefere, unterhöhle sie den Kapitalmarkt.

Sinn: Deutschland haftet mit 643 Milliarden Euro

Das innerhalb der Fiskalunion angestrebte Konzept halte er für „keine Lösung“, sagte Sinn. „Aus deutscher Sicht ist das der vollkommen falsche Weg.“ Lieber solle man vor allem Griechenland den „Hahn gefühlvoll zudrehen“. Sinn rechnete vor: 1992 Milliarden Haftungsvolumen hätten die Euro-Länder schon bewilligt. Auf Deutschland entfielen 43 Prozent des Risikos, rund 643 Milliarden Euro.

Gewähre Europa hoch verschuldeten Euro-Ländern weiterhin Zugang zur Druckerpresse, komme man um Euro-Bonds nicht herum. Das wiederum erfordere den Aufbau von politischen Schuldenschranken. „Dieses europäische System wird nicht funktionieren“, sagte Sinn. Es werde nur für ein paar Jahre Ruhe auf den Kapitalmärkten bringen. „Schuldenschranken werden nicht greifen – haben sie in der Vergangenheit nicht, werden sie künftig auch nicht.“

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