Retail IT


PayPal, Google Wallet & Co.

Illusion vom Bezahlen mit dem Smartphone

20. März 2012
Von Hartmut Wiehr
Geld ist out. Kreditkarten sind out. Das sagen Anbieter von neuen Bezahlsystemen für den Laden- und Online-Handel. Banken, Retailer und Kunden sehen das anders.

Einkaufen ist leider auch mit Bezahlen verbunden. Man muss nicht nur über genügend Geld verfügen, man muss es auch dabei haben. Oder ersatzweise auf andere Weise flüssig sein. Schecks – wie noch immer in den USA – oder Kreditkarten sind eigentlich ganz passable Möglichkeiten. Und online gibt es Paypal oder andere Technologien, um mit ein paar Klicks – und nach Registrierung – seine Einkäufe erledigen zu können. Alles historisch entwickelt und funktionierend, sollte man meinen.

Stephan Tromp vom Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt die alternativen Bezahlmöglichkeiten per Handy, mit denen Bargeld und Kreditkarte abgelöst werden sollen.
Stephan Tromp vom Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt die alternativen Bezahlmöglichkeiten per Handy, mit denen Bargeld und Kreditkarte abgelöst werden sollen.
Foto: HDE

Im Zeitalter der Handys und SmartphonesSmartphones soll das alles aber nicht mehr ausreichend sein. Neue Bezahlverfahren drängen auf den Markt – präziser gesagt, einige Hersteller und Interessensgruppen versuchen das nun schon seit geraumer Zeit. Ihr gemeinsamer Ansatz: Technisch ist heute einiges möglich, was es bisher nicht gegeben hat. Doch die Vorteile gegenüber dem Status quo im leidigen Prozess des Bezahlens leuchten offenbar nicht unmittelbar ein – die Eroberung des Marktes lässt bisher auf sich warten. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Da ist zum Beispiel Itellium. Die ehemalige Karstadt-Tochter ist eine Partnerschaft mit PayPal eingegangen. Die sieht vor, dass man an einem Kassenterminal "ganz ohne Personal“ und "ganz ohne lange Wartezeiten“ mit seiner Telefon- und PIN-Nummer die im Einkaufswagen angehäuften Waren bezahlen kann. Der Kunde benutzt dazu sein vorher angelegtes PayPal-Konto, so wie es bei vielen Online-Shops bereits Usus ist, "ohne dem Händler Bankdaten preiszugeben“. Das ist auch gar nicht nötig, denn Paypal selbst hat inzwischen "Bankstatus erlangt“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

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Worin der Vorteil gegenüber den bestehenden klassischen Bezahlverfahren beim Ladeneinkauf bestehen soll, wird nicht klar. Auch hier findet ja ein Datenaustausch zwischen Kassenterminal und Kreditorganisation statt – ohne dass der Händler selbst die Bankdaten zu Gesicht bekommt. Und das Ganze "ohne Personal“ gibt es auch schon jetzt – zum Beispiel bei einigen Filialen der Edeka-Kette Simmel. PayPal und Itellium peilen im Grunde nichts anderes an, als sich als Bankalternative beziehungsweise Zahlungsdienstleister zu etablieren. Die Realisierung dieser Geschäftsidee hängt davon ab, wie viele Retailer dabei mitmachen werden.

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