HighTech-Hotel

In der Zukunft schlafen

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Das "Palafitte" in Monruz-Neuchâtel am Neuenburger See gewährt einen Blick in die Hightech-Zukunft des Hotels. Errichtet wurde das schweizerische Expo-Projekt von der Familienstiftung Sandoz in Zusammenarbeit mit Siemens.
Mit ihrem Multimedia-Pad haben die Gäste auf den Zimmern alles im Griff.
Mit ihrem Multimedia-Pad haben die Gäste auf den Zimmern alles im Griff.

Das Einchecken im Hotel Palafitte ist gewöhnungsbedürftig: Das Personal am Empfang speichert den Fingerabdruck neuer Gäste, denn die Pavillons sind durch ein biometrisches Zugangskontrollsystem abgesichert. Schlüssel oder Karte gibt es hier nicht mehr. Wer in einen Pavillon will, muss seinen Finger unter ein Lesegerät halten, damit der Zugang freigegeben wird. Da der Rechner am Empfang auch die Muttersprache des Gastes speichert, stellen sich die Menüs aller Geräte, Bediensysteme und Kommunikationsmittel automatisch darauf ein.

Das Hotel, idyllisch am See mit Fernblick auf den Mont Vully und die Berner Oberländer Schneegipfel gelegen, besteht aus 40 Pavillons. 24 davon stehen auf Pfählen, die in den Seegrund gerammt wurden. Doch die besinnliche Umgebung täuscht: Luxus à la Schweiz, kombiniert mit modernster Technik, das war das Ziel der Erbauer. "Es sollte ein Studienobjekt für das technisch Machbare sein - ein Hotelkonzept der nächsten Generation mit modernster Technik in den Bereichen Information und Kommunikation, Beleuchtung und Gebäudemanagement", so Siemens-Projektleiter Othmar Huber. Generalunternehmer war die schweizerische Siemens-Niederlassung, Finanzier die Familienstiftung Sandoz.

Vernetzte Zimmer

Wer Fragen hat, kann das Hotelinformationssystem nutzen. Als Eingabegerät dient ein Touchscreen; Bedienelemente und Anzeigen werden nur virtuell, als Projektion, dargestellt. Steuern lässt sich das System per Fingerzeig in den Lichtkegel der Projektionsfläche. Eine Infrarotkamera erfasst die Bewegungen, ein Rechner im Hintergrund setzt sie um.

Das Rückgrat der Infrastruktur im Hotel der Zukunft bildet ein Glasfaser-Ethernet mit einer Übertragungskapazität von einem Gigabit pro Sekunde. In den Zimmern hingegen gibt es ein eher bescheidendes Glasfaser-Ethernet mit zehn Megabit pro Sekunde Bandbreite, dazu PCs mit Farbdrucker. Wer will, kann alle Funktionen mit einem Multimedia-Pad bedienen, das Service- und Infotainment-Portal abfragen oder einfach rumspielen. "Auf dem Display ist der jeweilige Pavillon in Draufsicht dargestellt. Der Gast kann die einzelnen Elemente durch Berühren der Piktogramme intuitiv bedienen", erklärt Projektleiter Michel Meister.

Die Schalter und Sensoren für Beleuchtung, Jalousien, Heizung, Klimaanlage oder ein Moskitonetz sind per Draht und Funk über ein System miteinander vernetzt, das die maßgeblich von Siemens entwickelte EIB (European Installation Bus) -Standardtechnik verwendet; so lässt sich alles mittels des Web-basierten Portals steuern. Die Bedienung der Audioanlage mit Dolby-Surround-Sound, des 48-Zoll-Plasma-Fernsehers und des DVD-Spielers erfordert allerdings eigene Infrarotfernbedienungen. Sicherheitshalber sind alle Elemente doppelt ausgelegt; sie können so im Notfall auch von Hand bedient werden.

Das Schlafen in der Zukunft ist nicht billig: Der preiswerteste Pavillon kostet in der Nebensaison 257 Euro pro Nacht - ohne Frühstück.

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