Interim-Management: Flaute bei Projekten

Interim-CIOs: "Das ist schon extrem"

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Interim-Management hat seinen Zenit 2008 überschritten. Der Markt lässt nach - doch die Profis geben sich gelassen: Kommt Zeit, kommt Auftrag.
Peter Rogg, Interim-CIO: "Von 120 Prozent auf null und wieder auf 120 - das ist schon extrem."
Peter Rogg, Interim-CIO: "Von 120 Prozent auf null und wieder auf 120 - das ist schon extrem."

Sein Handicap liegt bei ausbaufähigen 39. Dabei hat Peter Rogg immer Phasen im Leben, in denen er zum Golfschläger greift. Aber das letzte Quäntchen Ehrgeiz fehlt ihm. Es sei ihm ein Rätsel, wie andere Spitzen-Manager ein einstelliges Handicap hinbekommen, sagt der 53-Jährige. Bewusst sucht er im Sport den Ausgleich für das, was sein Beruf ihm abverlangt. Sein Beruf: Das sind ProjekteProjekte in aller Welt. Peter Rogg ist Interim-Manager, also ein Zeitarbeiter unter den CIOs. Da gibt es immer wieder einmal einen Monat Pause, in der sich am Abschlag feilen lässt. Aber weil Peter Rogg erfolgreich ist, reihen sich die Projekte aneinander. Das schlaucht. "Von 120 Prozent auf null und wieder auf 120 - das ist schon extrem", sagt Peter Rogg. Alles zu Projekte auf CIO.de

Die Flaute lässt grübeln

Der Franke hat es nicht bereut, dass er im Sommer 2003 seine Festanstellung als CIO bei einem Solartechnologiehersteller aufgab. "Ich habe nie gezweifelt", sagt Rogg. Gut zu sein und immer an sich zu glauben, das ist die oberste Maxime beim Abenteuer Interim-Management. Und doch verhehlt Rogg nicht, dass ihn die Wirtschaftskrise ins Grübeln bringt. Die Flaute trifft auch seine Branche. "Die Unsicherheiten über die tatsächlichen Auswirkungen der Krise haben zur Folge, dass viele Projekte auf dem Prüfstand sind", sagt Daniela Zimmer, Managing Director Deutschland beim Interim-Management-Provider Resources Global Professionals. Allerdings holten viele Unternehmen gerade jetzt lieber Know-how von außen.

Umfrage: Gedämpfte Erwartungen.
Umfrage: Gedämpfte Erwartungen.

Es zeichnet sich derzeit eine kleine Delle ab in einer Branche, die sich hierzulande immer besser zu behaupten scheint. "2008 war für uns das beste Jahr aller Zeiten", sagt Jens Christophers, Vorstandvorsitzender der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM). "2009 werden wir diese hohe Auslastung wohl nicht erreichen." Die DDIM bereitet derzeit eine umfassende Studie zur aktuellen Marktlage vor. Momantan liegen lediglich Daten aus dem Jahr 2007 vor. Damals bezifferte der Verband die Zahl der Interim-Manager im Lande auf etwa 3500. Mittlerweile dürfte es deutlich mehr Führungskräfte auf Zeit geben und das Marktvolumen auf knapp 800 Millionen Euro angestiegen sein, schätzt Christophers.

Fünf Prozent Interim-Manager in IT

Mittlerweile dürfte es deutlich mehr Führungskräfte auf Zeit geben, schätzt Christophers. Wobei die DDIM nur Manager mitzählt, die Aufgaben auf der Geschäftsleitungs- oder Leitungsebene übernehmen, nicht jedoch Fachexperten. Großzügiger rechnet da der Arbeitskreis Interim Management Provider (AIMP), der für das vergangene Jahr von 12.000 Interim-Managern und einem Marktvolumen von 1,6 Milliarden Euro ausgeht.