Motive der Unternehmen

Interim-Manager werden selten übernommen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Unternehmen sehen in Managern auf Zeit kaum potenzielle Festangestellte. Sie wollen lieber ihr externes Wissen absaugen. Das ergab eine Studie von Page Personnel.
Bei Interimsmanagement handelt es sich um einen zeitlich befristeten Einsatz "erfahrener freiberuflicher Experten im Unternehmen.
Bei Interimsmanagement handelt es sich um einen zeitlich befristeten Einsatz "erfahrener freiberuflicher Experten im Unternehmen.
Foto: MEV Verlag

Es muss ja nicht immer der Bund für’s Leben sein: Die Arbeit mit Interimsmanagern ist "fest in der Wirtschaft verankert", behauptet jedenfalls der Düsseldorfer Vermittler Michale Page Interim. Hintergrund ist seine Studie "Zeitarbeit und Interimsmanagement weltweit", an der mehr als13.000 Menschen teilgenommen haben.

Zur Definitionsklärung: Zeitarbeit umschreibt für Michael Page "ein Dreiecksverhältnis zwischen einer Personalberatung, dem Zeitarbeitnehmer und einem Entleihunternehmen". Bei Interimsmanagement handelt es sich um einen zeitlich befristeten Einsatz "erfahrener freiberuflicher Experten im Unternehmen, zum Beispiel zur Personalüberbrückung, Sanierung, Restrukturierung" oder Anderem. Laut dieser Studie sind Interimsmanager in 80 Prozent der Unternehmen länger als vier Monate beschäftigt.

Externes Wissen wichtiger als Personallücke überbrücken

Zunächst wollte der Anbieter wissen, warum sich Unternehmen Interimsmanager ins Haus holen. Deutsche Entscheider weichen dabei teilweise vom internationalen Durchschnitt ab. So geht es Deutschen in erster Linie um Zugang zu externem Wissen (72 Prozent der Nennungen versus 59 Prozent aller Antworten). Erst an zweiter Stelle geht es Firmen in der Bundesrepublik um die Deckung kurzfristigen Personalbedarfs (63 Prozent/62 Prozent) und das Ankurbeln von Veränderungsprozessen (57 Prozent/49 Prozent).

Wer sich als Interimsmanager für eine Festanstellung interessiert, hat in Deutschland keine guten Karten. Nur 37 Prozent der Entscheider sehen die Manager auf Zeit als potenzielle Festangestellte. Im Durchschnitt aller Antworten sind es 47 Prozent.

Motive der Interim-Manager

Das dürfte nicht jeder Interimsmanager gerne hören. Die Autoren der Umfrage haben die Perspektive umgedreht und auch die Interimsmanager nach ihren Motiven befragt. Demnach hofft mehr als jeder Zweite (52 Prozent), seine Chancen auf eine Festanstellung zu verbessern.

Das sind jedoch nicht die Hauptgründe. Interimsmanagern geht es vor allem um den Aufbau ihres beruflichen Netzwerks (87 Prozent). 78 Prozent wollen ihre Kenntnisse weiterentwickeln und 56 Prozent geben an, auf diese Weise erhalte man in wirtschaftlich unsicheren Zeiten Aufträge.

Deutsche Manager auf Zeit sind überdurchschnittlich mobil

Glaubt man den Befragten, sind deutsche Interimsmanager mobiler als ihre internationalen Kollegen. 87 Prozent der Deutschen geben an, bereits in anderen Ländern zu arbeiten oder für einen Einsatz ins Ausland zu gehen. Im Durchschnitt sind mit 72 Prozent deutlich weniger.

Die Page-Studie zeichnet ein Bild der Zufriedenheit: 87 Prozent der deutschen Unternehmen haben demnach positive oder sehr positive Erfahrungen mit Interimsmanagern gemacht. Im weltweiten Schnitt sagen das nur 77 Prozent.

Die Manager auf Zeit ihrerseits geben dieses Lob aber nicht in gleichem Maße wider. 76 Prozent der Deutschen bewerten Interimsmanagement positiv oder sehr positiv (global: 69 Prozent).

Nachfrage bleibt stabil

Eine Mehrheit von 60 Prozent der deutschen Unternehmen sieht weder wachsenden noch sinkenden Bedarf an Interimsmanagern. 27 Prozent erwartet eine Zunahme und dreizehn Prozent rechnet mit sinkendem Bedarf.