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Digitalisierung

Internet treibt Sparkassen immer weiter in den Umbau

31. März 2016
Niedrige Zinsen und viel Bürokratie setzen den Sparkassen zu. Manche Probleme sind hausgemacht: Das engmaschige Filialnetz wird zur Belastung im digitalen Zeitalter.
Sparkasse: Wie lange existieren wohl noch solche Schalterhallen.
Sparkasse: Wie lange existieren wohl noch solche Schalterhallen.
Foto: Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Zinstief, teure Regulierung, schlecht ausgelastete Filialen - Deutschlands Sparkassen haben mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. "Die Stabilität des Sparkassensektors ist nicht in Stein gemeißelt", warnte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch im Januar - ausgerechnet bei einer Veranstaltung des Bayerischen Sparkassenverbandes. Von "Schicksalstagen für die Sparkassen" schrieb im Februar das "Handelsblatt". Am Dienstag (15.3.) legt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) die Bilanz für 2015 vor. Was ist los im öffentlich-rechtlichen Lager?

Wie wirkt sich die Niedrigzinsphase aus?

Sparkassen verdienten lange gut daran, für Kredite mehr Geld zu kassieren als sie ihren Kunden an Zinsen fürs Sparen zahlten. Doch die Differenz aus den beiden Positionen, der sogenannte Zinsüberschuss, wird tendenziell kleiner, weil die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf fast Null gesenkt hat. Der Zinsüberschuss ist die wichtigste Ertragssäule der Sparkassen. "Noch ist die Ertragslage der kleineren und mittelgroßen Institute und damit auch der Sparkassen solide", konstatierte Mersch. Doch der Notenbanker mahnte: "Angesichts geringer Zinsmargen gehören die traditionellen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand." Die kleineren und regionalen Institute hätten ihre Geschäftsmodelle in den vergangenen 50 Jahren "praktisch gar nicht angepasst", urteilte Mersch.

Ist der sinkende Zinsüberschuss das einzige Problem in der Bilanz?

Sorge bereitet den Instituten zudem, dass immer mehr Kunden Gelder kurzfristig parken - während bei Krediten möglichst lange Laufzeiten gefragt sind. Bei den Sparkassen in Hessen und Thüringen etwa machen täglich fällige Gelder fast zwei Drittel der Kundengelder aus. "Das ist natürlich auch ein operationelles Risiko", warnte der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. Denn bei steigenden Zinsen könnten Kunden ihre Einlagen rasch abziehen.

Wie gehen die Institute mit Strafzinsen der EZB um?

Die EZB verlangt von BankenBanken Strafzinsen, wenn sie Geld über Nacht bei der Notenbank parken. Das soll die Institute zu mehr Krediten drängen, um damit das Wachstum anzukurbeln. Einige bayerische Sparkassen rechnen bereits durch, ob es nicht günstiger wäre, Geld im eigenen Tresor liegen zu lassen. Allerdings ist das vorerst nur Theorie, denn auf die Geldhäuser kämen in so einem Fall zum Beispiel hohe Kosten für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zu. Die Strafzinsen an Privatkunden weiterreichen wollen die meisten Kreditinstitute bislang nicht. Bei institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds jedoch müsse "die Parkgebühr mitbezahlt werden, das können wir nicht drauflegen", sagt Grandke. Top-Firmen der Branche Banken