Verträge zu pauschal

IT-Branche auf den Spuren der Bauindustrie

15. Oktober 2004
Von Detlef Scholz
Die Verträge zwischen IT-Dienstleistern und ihren Kunden werden immer häufiger über Festpreise abgeschlossen. Das Nachsehen hätten dabei in der Regel die IT-Dienstleister. Das behauptet eine Analyse des Consulting-Unternehmens Deloitte.

Unternehmen der IT-Branche tendieren bei Großprojekten dazu, ihre Leistungen unter Wert und daher mit Verlust anzubieten, will die Untersuchung " Der Markt für IT Dienstleistungen folgt dem der Baubranche" herausgefunden haben. Sie stießen immer häufiger auf vertragliche Ungereimtheiten und ungenau formulierte Anforderungen, die Nachverhandlungen erlaubten. Angaben über Änderungen, Ergänzungen oder Eskalationsklauseln seien nicht klar umrissen in den Verträgen, so der Autor der Analyse Björn Barth. Es fehlten außerdem klar definierte Stufen der Konfliktbewältigung. Und wenn in den Verträgen die Anforderungen eindeutig beschrieben wurden, fehle es den IT-Dienstleistern meistens an Durchsetzungsvermögen und Verhandlungssicherheit. Mediation als Konfliktlösungsstufe sei fast gar nicht vorhanden. Aufgrund dieser Vorgehensweise drohten den Anbietern enorme nachträgliche Kostenerhöhungen.

Was die Baubranche vorexeriziert hat in den 90ern, könnte bald auch in der IT-Branche Usus sein.
Was die Baubranche vorexeriziert hat in den 90ern, könnte bald auch in der IT-Branche Usus sein.

Die Entwicklung der Konkurrenz- und Preissituation in der IT-Branche heute ähnelt der Situation in der BauindustrieBauindustrie in den neunziger Jahren: Diese waren in der Baubranche durch eine schnelle Entwicklung der Ausschreibungsmethodik geprägt. Der Pauschal-Festpreis ersetzte die detaillierte Leistungsbeschreibung. Das bedeutete, dass der Bauunternehmer bei geringstmöglichem Preis das volle Risiko übernehmen sollte. Top-Firmen der Branche Bauindustrie

Pauschale Festpreis-Ausschreibungen und die gezielte Übertragung der Risiken sind in der IT-Industrie bereits keine Seltenheit mehr. Es fehle allerdings ein genau bestimmtes Dienstleistungsangebot zur Abwehr von Nachträgen und unentgeltlichen Zusatzaufträgen, meint der Autor. Sobald die Festpreis-Ausschreibung zum Regelfall geworden ist, würde dieses Dienstleistungsangebot den Analysten zufolge unverzichtbar sein.

Vertragsmanagement hatte sich in der Baubranche aufgrund immer komplexerer Projekte gebildet. Dazu werde es auch in der IT-Branche kommen, so die Studie.
Vertragsmanagement hatte sich in der Baubranche aufgrund immer komplexerer Projekte gebildet. Dazu werde es auch in der IT-Branche kommen, so die Studie.

Laut Deloitte ist vorhersehbar, dass die Entwicklung auf dem IT Markt weiter entsprechend derjenigen der Bauindustrie verlaufen wird. In den nächsten Jahren werde sich daher ein neuer Dienstleistungsbereich "IT-Verhandlungsmanagement" entwickeln. Eine umfassende Überwachung von Projekten vom Beginn des Auftrags bis hin zur "schlüsselfertigen" Übergabe des Systems gewinne immer mehr an Bedeutung. Eine weitere mögliche Entwicklung sei eine Honorarordnung für IT-Beratung.

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