Anbieter kassieren 20 Prozent Wartungsgebühren für selbst produzierte Fehler

IT-Chef Banque LBLux: "Die IT-Industrie ist unreif"

15. September 2008
Von Anja Tiedge
Abgestürzte Computer, verlorene Dokumente: Die IT-Welt wird von vielen als verwirrend oder gar gefährlich gesehen. Dabei sind nicht die Nutzer das Problem, sagt Claude Roeltgen. Der IT-Chef der Banque LBLux blickt hinter die Kulissen seiner Branche und verrät, wie IT-Profis wirklich arbeiten.
Claude Roeltgen arbeitet seit 1982 in der IT-Branche, zunächst als Programmierer, später als Projektleiter. Der Luxemburger war als CIO bei verschiedenen Banken in Luxemburg tätig. Heute leitet er den IT-Bereich der Banque LBLux, einer Tochter von BayernLB und Helaba.
Claude Roeltgen arbeitet seit 1982 in der IT-Branche, zunächst als Programmierer, später als Projektleiter. Der Luxemburger war als CIO bei verschiedenen Banken in Luxemburg tätig. Heute leitet er den IT-Bereich der Banque LBLux, einer Tochter von BayernLB und Helaba.
Foto: Banque LBLux

Herr Roeltgen, sicher kennen Sie das: Sie wollen ein Computerprogramm aufrufen, und auf dem Bildschirm erscheint eine Fehlermeldung. Geben Sie in solchen Momenten dem Hersteller des Programms die Schuld? Oder suchen Sie den Fehler bei sich selbst?

Ich habe täglich mit solchen Programmen zu tun. Deshalb suche ich den Fehler nicht bei mir. Ich denke vielmehr an Bill Gates und Konsorten und daran, dass irgendwo in deren Konzern etwas schiefgelaufen ist.

Allerdings wird jemand, der beruflich nichts mit IT zu tun hat, als Erstes denken: "Welches Knöpfchen habe ich falsch gedrückt? Was habe ich falsch gemacht?"

Sollte der Nutzer den Fehler bei sich suchen?

Roeltgen: Nein. Eine Software muss so programmiert sein, dass sie nicht abstürzt. Aber das ist die Schwäche vieler Programme: Sie werden nicht ausreichend getestet. Die Hersteller gehen einfach davon aus, dass der Nutzer das Programm oder sogar den Rechner nochmal startet und darauf hofft, dass es beim nächsten Mal besser läuft. Und tatsächlich hilft das ja auch meistens.

Dieses Interview erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
Dieses Interview erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
Foto: manager-magazin.de

Kann der Hersteller diesen Frust vermeiden?

Ja, aber genau das ist das Problem. Die IT-Industrie ist unreif. Das Thema Qualität spielt bei der Softwareentwicklung eine untergeordnete Rolle. Es geht in erster Linie darum, neue Funktionalitäten schnell auf den Markt zu bringen, um sie schnell zu verkaufen. Wenn dann Fehler auftauchen, profitieren die Hersteller ja nur davon: Sie kassieren von den Kunden obendrein 20 Prozent Wartungsgebühren - für die Fehler, die sie selbst erzeugt haben.

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